Filmfestival

Für diese Filme lohnt das Schlangestehen auf der Berlinale

Am Montag beginnt der Vorverkauf der Berlinale. Diese 20 Filme sollten Sie nicht verpassen.

Er will nicht mehr, er will Schluss machen, und das mitten im Schnee: Josef Hader als Mann am Ende im Wettbewerbsfilm „Wilde Maus“, sein Regiedebüt

Er will nicht mehr, er will Schluss machen, und das mitten im Schnee: Josef Hader als Mann am Ende im Wettbewerbsfilm „Wilde Maus“, sein Regiedebüt

Foto: © WEGA Film

Am Donnerstag ist es wieder so weit. Da fällt der Potsdamer Platz in den Ausnahmezustand – und mit ihm die halbe Stadt. Dann startet die Berlinale, und lauter Filmverrückte aus aller Welt drängen in die Stadt. Im Gegensatz zu den anderen großen A-Festivals Cannes und Venedig hat dabei auch der ganz normale Kinoliebhaber die Chance, das Festival nicht nur als Zaungast mitzubekommen, sondern die Filme, um die es geht, auch selbst zu sehen. Denn Berlin ist weltweit das größte Besucher-Filmfestival, hier werden alle Beiträge in mehreren Wiederholungen gezeigt und der letzte Berlinale-Tag, der 19. Februar, ist schon traditionell ein „Publikumstag“.

399 Filme werden in diesem Jahr gezeigt. Das sind zwar 34 Filme weniger als im Vorjahr, aber im Schnitt immer noch 36,3 Filme pro Tag. Ein Pensum, das natürlich kein Mensch bewältigen kann. Die wichtigste Frage, die sich da stellt, ist: In welchen Film soll man gehen? Wofür lohnt sich das oft stundenlange Anstehen in den langen Wartenschlangen vor den Ticketcountern? Unser Filmredakteur Peter Zander hat sich schon mal ein wenig umgesehen und eine kleine Auswahl getroffen. Das ist natürlich eine völlig subjektive Wahl, und sie ist ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit. Den neuen Film mit Richard Gere muss man gesehen haben, auf eine Fortsetzung von „Trainspotting“ haben wir lange gewartet. Und selbst einen Comicheld wie Wolverine verschlägt es auf die Berlinale. Eine Empfehlung in 20 Filmen.

Django (Wettbewerb)

Normalerweise wählt man ja zur Eröffnung einen Film mit zugkräftigen Stars. Diesmal aber setzt die Berlinale auf ein Regiedebüt, also auf einen Unbekannten, was ganz schön mutig ist, aber auch in die Hose gehen kann. Die Geschichte immerhin hat es in sich: Etienne Comars Film handelt von dem jungen Django Reinhardt, der, bevor er zum Jazz-Gott wurde, von den Nazis verfolgt wurde.

Rückkehr nach Montauk (Wettbewerb)

Zuletzt war Volker Schlöndorff 2000 im Wettbewerb vertreten. Jetzt zeigt der 77-Jährige seinen vielleicht persönlichsten Film, der lose auf einer Novelle von Max Frisch beruht, aber mit viel Eigenem aufgeladen ist. Ein Autor (Stellan Skarsgard) hat einst in New York seine große Liebe verlassen – jetzt will er sich ihr stellen.

Wilde Maus (Wettbewerb)

Josef Hader kennt man als Schauspieler und Kabarettist. Zu seinem 50. wollte er sich eigentlich ein Auto kaufen, stattdessen hat er sich ein Regiedebüt gegönnt. Darin spielt er selbst einen Journalisten, dem von einem Tag auf den anderen gekündigt wird. Und sich an seinem Chef bitterlich rächen will. Aber sich auch selbst neu erfindet: mit einer Bude auf dem Prater-Rummel.

Logan (Außer Konkurrenz)

Einmal Popcorn-Kino muss sein. Auch wenn sich das Festival sonst anderen Themen widmet: Am zweiten Freitag wird traditionell für einen Star der Teppich ausgerollt: diesmal für Hugh Jackman. Als Wolverine hat er in den alten wie in den neuen „X-Men“-Filmen mitgewirkt. Mit „Wolverine“ gab es den ersten sogenannten Spin-off. Jetzt fährt der Wolfsmensch seine Krallen erneut solo aus.

In Zeiten des abnehmenden Lichts (Berlinale Special)

Der Erfolgsroman von Eugen Ruge hat polarisiert. Nun hat Matti Geschonneck ihn verfilmt, die Chronik einer Familie in der DDR, vom Großvater, dem glühenden kommunistischen Kämpfer, über den väterlichen Mitläufer bis zum fliehenden Sohn. Ein Gesellschaftsbild des 20. Jahrhunderts, mit Bruno Ganz, Sylvester Groth und Alexander Fehling glänzend besetzt.

Welt am Draht (Retrospektive)

Auch lange nach seinem Tod schafft es Rainer Werner Fassbinder immer wieder auf die Berlinale. Zuletzt mit seinem verbotenen TV-Film „Baal“, jetzt mit diesem Mehrteiler von 1974. Die Retro­spektive widmet sich in diesem Jahr dem „Future Imperfect“: dystopische Science-Fiction-Filme. Der Achtstünder mit Klaus Löwitsch und Barbara Valentin wird dabei erstmals am Stück gezeigt.

Berlin Syndrome (Panorama)

Berlin mit fremdem Blick: Eine australische Rucksacktouristin (Teresa Palmer) zieht mit ihrer Kamera durch Kreuzberg, ein Lehrer (Max Riemelt), den sie kennenlernt, führt sie an interessante Orte. Nach einer gemeinsam verbrachten Nacht stellt sie fest, dass sie seine Gefangene ist. Ein Horrorfilm, der an den Fall Kampusch erinnert und zuweilen nur schwer erträglich ist.

Der junge Karl Marx (Berlinale Special)

Eine irre Perücke trägt er. Und einige Pfunde hat August Diehl auch zugelegt. Immerhin gilt es, eine historische Größe auszufüllen. Raoul Pecks Film zeigt den jungen Marx, der sich im Pariser Exil kaum ernähren kann, aber auf den betuchten Engels (Stefan Konarske) trifft, was zu einer außerordentlichen Männerfreundschaft führt. Und zum „Kommunistischen Manifest“.

The Dinner (Wettbewerb)

Ein gepflegtes Restaurant, gediegene Speisen: Es könnte ein gemütlicher Abend werden. Doch die zwei Ehepaare (gespielt von den US-Stars Richard Gere, Laura Linney, Steve Coogan und Rebecca Hall) sind hier, weil ihre Söhne ein Verbrechen begangen haben, das sie vertuschen wollen. Dabei geraten auch die Eltern gehörig aneinander. Ein verstörendes Kammerspiel von Oren Moverman.

Die andere Seite der Hoffnung (Wettbewerb)

Die Flüchtlingskrise schlägt sich auch im Kino nieder. Der große finnische Tragikomiker Aki Kaurismäki nimmt sich ihrer auf seine typisch lakonische Art an: Er erzählt von einem Flüchtling aus Aleppo, dessen Asylantrag abgeschmettert wird, und von einem Restaurantbesitzer, der ihn illegal aufnimmt. Fast ein Filmmärchen, das aber keine Härten auslässt.

4 Blocks (Special Series)

Die Berlinale glotzt fern. Und das nicht zum ersten Mal. Wieder stellt das Filmfestival Produkte des großen Konkurrenten TV vor. Wie diese in Neukölln gedrehte Gangsterballade mit vielen deutschen Stars. Eigentlich will Toni (Kida Khodr Ramadan) raus aus den schmutzigen Deals mit Drogen und Sex. Aber als sein Schwager in den Knast wandert, muss er zum Clan zurück. Eine Frage der Ehre.

On the Road (Generation)

Michael Winterbottom war wiederholt im Wettbewerb der Berlinale, diesmal eröffnet er das Jugendfilmfestival: In seinem Dokumentarfilm begleitet er die Jugendband Wolf Band, die 2015 durch England tourt und mit unerwartetem Ruhm umgehen muss. Dabei offenbaren sich der Sog auf der Bühne, die Erschöpfungen danach und die fragilen Beziehungen der Bandmitglieder untereinander.

Beuys (Wettbewerb)

Als einziger Dokumentarfilm im Wettbewerb dürfte es dieser Film schwer haben, aber 2016 war mit „Seefeuer“ ja auch eine Doku der Siegerfilm. Und Andres Veiel hat sich nicht nur im Spielfilm Meriten erworben, sondern auch mit seinen Dokumentationen „Black Box BRD“ und „Die Spielwütigen“. Diesmal widmet sich der Berliner dem Mann mit dem Hut, dem streitbaren Künstler Joseph Beuys.

Uhrwerk Orange (Hommage)

Zugegeben, den Namen Milena Canonero kennt fast niemand. Aber viele der Filme, für die die vierfache Oscar-Preisträgerin die Kostüme entworfen hat, sind längst Klassiker, von „Der Pate III“ bis „Jenseits von Afrika“. Besonders eng arbeitete die Italienerin mit Stanley Kubrick zusammen, bei „Shining“, „Barry Lyndon“ oder diesem Kultfilm über eine gar nicht so ferne, schreckliche Zukunft.

T 2 Trainspotting (Außer Konkurrenz)

Es ist wirklich schon 20 Jahre her, dass Ewan McGregor in Danny Boyles „Trainspotting“ sich im Drogensumpf verlor und dabei buchstäblich ins Klo herabstieg. Damals ist Renton am Ende clean geworden. Jetzt kehrt er in seine Heimat zurück – und wird von seinen Ex-Freunden mit Schlägen und Amokläufen begrüßt. Die ganze Crew von damals spielt auch diesmal wieder mit.

Die beste aller Welten (Perspektive Deutsches Kino)

Sein Vater ist schon vor seiner Geburt gestorben, seine Mutter ist wie ihr Freund drogenabhängig. Eine düstere Kindheit, die der siebenjährige Adrian da in Salzburg erleben muss. Aber für den Jungen ist das Leben zwischen Drogenbeschaffung und Existenznot einfach Alltag. Richtig schwierig wird es für ihn erst, als man der Mutter das Sorgerecht entziehen will.

El mar la mar (Forum)

Es ist genau das Areal, in dem Donald Trump seine Mauer bauen will: die öde Wüste, die Mexiko und die USA trennt. Hier leben nur die Ärmsten der Armen. Und selbst ernannte Gesetzeshüter. Den Dokumentarfilmern Joshua Bonnetta und J.P. Sniadecki gelingt ein vielschichtiges Panorama eines hochgradig politisch aufgeladenen Landstrichs. Und eine Hymne auf die Lebensform Wüste.

The Queen of Spain (Berlinale Special)

Nein, Penélope Cruz ist hier nicht als historische Königin zu sehen. Oder doch, aber auf Umwegen. Sie spielt die spanische Schauspielerin Macarena Granada, die in Hollywood Karriere gemacht hat und Mitte der 50er in ihre Heimat zurückkehrt, um für einen Kostümfilm Isabella I. von Kastilien zu spielen. Und das mitten in der Ära von Franco, den der Star von Herzen verachtet.

The Taste of Betel Nut (Panorama)

Ein Mann, der in einer Delfinshow arbeitet, und einer, der sich dafür bezahlen lässt, dass er einem Filmstar ähnelt, das ist schon ein schräges Paar. Dann kommt noch eine junge Frau dazu. In dem chinesischen Film von Hu Jia geht es für asiatische Verhältnisse explizit zu. Der offene Dreier lotet dabei die eigene Sexualität aus und die Grenzen einer restriktiven Gesellschaft.

Terminator 2 3-D (Berlinale Classics)

Eigentlich soll man auf der Berlinale ja Neues entdecken. Aber Wiedersehen macht Freude. Und bei den Berlinale Classics sieht man ja auch alte Filme neu. James Camerons Schwarzenegger-Hit ist nicht nur aufwendig restauriert worden, sondern auch in 3-D umgewandelt. Seit „Avatar“ ist der Filmemacher ja im 3-D-Rausch, wozu das führen kann, hat er mit „Titanic 3-D“ bewiesen.

Tickets und Termine

Vorverkauf

Die Berlinale startet am Donnerstag mit dem Eröffnungsfilm „Django“. Ab dem heutigen Montag, 10 Uhr, startet der Ticketverkauf für alle Filme des Festivals an vier zentralen Stellen: in den Potsdamer Platz Arkaden, im Haus der Berliner Festspiele, im Kino International und in der Audi City Berlin. Ein begrenztes Kontingent an Karten ist auch online buchbar unter www.berlinale.de. Der Server war in der Vergangenheit jedoch öfter überlastet.

Buchung

Der Ticketvorverkauf findet jeweils drei Tage im Voraus, für Wettbewerbswiederholungen vier Tage im Voraus statt. Am Tag der Vorstellung selbst sind nur noch Restkarten an den Tageskassen der jeweiligen Kinos zu haben. Wenn Sie das Programmheft der Berlinale studieren, werden Sie zu jeder Vorführung einen sechsstelligen Zahlencode finden. Markieren Sie sich diesen Code und nennen Sie ihn, wenn Sie ihre Tickets bestellen. Das geht schneller, als wenn Sie jedes Mal Titel, Kino, Tag und Uhrzeit nennen müssen.

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