Konzert-kritik

Blomstedt dirigiert Bartók und Brahms in der Philharmonie

Dabei verknüpft der Musiker zwei publikumswirksame Werke

Er zählt ohne Frage zu den Lieblingsgastdirigenten der Berliner Philharmoniker: der schwedische Maestro Herbert Blomstedt, seit über vier Jahrzehnten ein Freund und Partner des Orchesters. Wohl zu Recht kann man den 89-Jährigen als dienstältesten der großen Dirigenten bezeichnen – es sei denn, man zählt noch den Polen Stanisław Skrowaczewski dazu, der im letzten April als 92-Jähriger dem Rundfunk-Sinfonieorchester eine Bruckner-Achte entlockte. Auch Blomstedt hat in seinem Leben viel Bruckner aufgeführt.

Doch diesmal hat er Bartók und Brahms dabei. Dass Blomstedt ausgerechnet zwei publikumswirksame Werke dieser beiden Komponisten verknüpft, nämlich Bartóks Drittes Klavierkonzert und Brahms’ Erste Sinfonie, hat seinen Sinn: Sowohl Brahms als auch Bartók galten als hervorragende Pianisten. Bartók beruft sich in seinem allerletzten Werk sogar ausdrücklich auf Brahms als Vorbild – am deutlichsten im Kopfsatz, wenn er wie aus dem Nichts jene Oktavtriller-Stelle aus Brahms’ d-Moll-Klavierkonzert op. 15 zitiert, die noch heute einigen Pianisten schlaflose Nächte bereitet. Es gibt allerdings auch einen wesentlichen Unterschied: Bartók floss sein Klavierkonzert aus der Feder, Brahms dagegen musste sowohl mit seinem Ersten Klavierkonzert als auch mit seiner Ersten Sinfonie lange ringen.

Laut „128“, dem Klassik-Magazin der Philharmoniker, gehört diese c-Moll-Sinfonie von Brahms zu den fünf am häufigsten gespielten Werken des Orchesters. Nur Beethovens Siebte, Fünfte und Zweite sowie Brahms’ Zweite erklangen öfter. An diesem Abend spielen die Philharmoniker Brahms’ sinfonischen Erstling zum 310. Mal. Die Musiker wissen genau, was sie tun. Sie kennen dieses Stück in- und auswendig. Es reicht, dass Blomstedt die Rahmenbedingungen vorgibt. Man könnte darüber streiten, ob dieser schlanke, stark aufgehellte Brahms-Tonfall für den tragischen Grundcharakter des ersten Satzes angemessen ist. Der große Vorteil dabei allerdings ist: Alles wirkt klar verständlich und auf hohem Niveau stringent. Ab dem zweiten Satz beginnen die Philharmoniker sich kreative Freiheiten zu nehmen, eingeleitet durch ein wunderbares Oboen-Solo von Albrecht Mayer, das im hellen Blomstedt-Stil anhebt und dann von Takt zu Takt intimer wird.

Und Bartóks Drittes Klavierkonzert zuvor? Der Pianist András Schiff und die Philharmoniker ziehen hier kraftvoll am gleichen Strang.

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