Film

Ein Playboy kann auch Vater: „Plötzlich Papa“

Ein Hallodri muss sich überraschend um ein Kind kümmern. Und wächst mit seinen Aufgaben. Eine Paraderolle für Omar Sy.

Das kommt überraschend: Ohne jede Vorwarnung hat Samule (Omar Sy) plötzlich eine Tochter im Arm

Das kommt überraschend: Ohne jede Vorwarnung hat Samule (Omar Sy) plötzlich eine Tochter im Arm

Foto: Julien Panie / dpa

Da steht er nun, mit dem Baby im Arm – und muss zusehen, wie die Mutter ins Taxi steigt und entschwindet. Samuel (Omar Sy) kann es nicht fassen. Der gut gebaute junge Mann verantwortet einen Motorboot-Charter in Südfrankreich und ist Kapitän des Schnellboots. In der Schlafkabine vergnügt er sich mit immer neuen, sexhungrigen Touristinnen. Samuel lässt nichts anbrennen. Das Baby ist eine Konsequenz seines Hochfrequenz-Sexlebens.

Allein diese Szene von „Plötzlich Papa“, Samuel dort stehen zu sehen und zu beobachten, wie langsam, langsam sein Gehirn zu rattern beginnt, macht viel Spaß. Die Frau, seine Ex-Geliebte Kristin (Clémence Poésy) – eine depressive Engländerin, an die er sich kaum erinnern kann – haut ab und lässt ihn mit der Tochter allein. „Ich kann es nicht“, ist ihre einzige Erklärung. „Und du wirst bestimmt ein guter Vater sein.“ Man ist sofort bei Samuel. Was macht der Playboy nun? Drinnen schlafen noch zwei Blondinen, die er in der Nacht bei einem ausgiebigen Dreier beglückt hatte.

Der französische Schauspieler Omar Sy wurde international bekannt durch die Tragi­komödie „Ziemlich beste Freunde“. Er spielte den unorthodoxen Krankenpfleger, der einem Querschnittsgelähmten wieder Freude am Leben zurückgibt. Sy hatte dem Charakter eine Mischung aus Wärme und Aggression verliehen, die Wut der Banlieues war in jeder Szene spürbar. Der Samuel in seinem neuen Film ist da heiterer angelegt. Und zeigt zum wiederholten Mal: Omar Sy kann Comedy. Er hat Charme.

„Plötzlich Papa“ ist europäisches Popcorn-Kino. Bunt, lustig und ab und zu ein wenig ernst. Aber nie zu sehr. Der Film spielt in Südfrankreich und in London, auch diese Mischung tut dem Film gut. Tochter Gloria (Gloria Colston) ist reizend und ziemlich verzogen. Egal. Nur dass sie amerikanisches Englisch spricht, verwundert etwas. Schließlich wächst das Mädchen angeblich in London auf. Aber die echte Schauspielerin stammt eben aus den USA, das ist der Grund.

Natürlich hat der Film märchenhafte Züge. Samuels Ankunft in London läuft mehr als glücklich, sein Verdienst als Stuntman danach scheint astronomisch zu sein. Samuel wandelt sich innerhalb von Stunden vom Lover zum perfekten leidenschaftlichen Papa, für den es ab jetzt nur noch eine Frau im Leben gibt: seine heranwachsende Tochter. Sie ist jetzt der Mittelpunkt seines Universums. Sonst keine.

Ein modernes Alleinerziehender-Vater-Märchen kann die Welt gut gebrauchen. Bis zum Schluss wird man prima unterhalten. Dass manche Momente doch arg unrealistisch wirken, geschenkt. Das verzeiht man Hollywood ja auch.

Apropos Schluss. Hugo Gélins Film schafft es tatsächlich, auf die letzten Meter eine unerwartete Wendung zu nehmen. So etwas ist im Kino schon länger nicht mehr gelungen – eine echte Überraschung. Mehr sei nicht verraten. Karte kaufen, Popcorn ordern und für zwei Stunden vergessen, wie wintergrau im Moment Deutschland draußen ist.

© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.