Kultur

Ein deutsches Nachkriegs-Märchen

Peter Prange verbindet ein Familienepos mit 60 Jahren deutscher Geschichte

Zwischen Spießigkeit und Aufbruch, mit den 40 Mark der neuen westdeutschen Währung, die Nachkriegsträume wieder wahr machen konnte – hier startet der Roman „Unsere wunderbaren Jahre“ von Peter Prange. Es geht um Freunde zwischen Währungsreform und Fall der Mauer mit einer gutbürgerlichen Industriellenfamilie im Mittelpunkt – so erzählt Prange auf rund 1000 Seiten 60 Jahre deutscher Geschichte.

Prange, der vor allem mit historischen Romanen Bekanntheit erlangte, wählte eine vertraute Umgebung: Die sauerländische Kleinstadt Altena ist auch die Geburtsstadt des Autors. Das westdeutsche Wirtschaftswunder ist für die meisten der Protagonisten mit Träumen und Hoffnungen verbunden – Ulla, die Industriellentochter, will Medizin studieren. Bernd will seine Spießerträume wahr werden lassen – Erfolg als kleiner Bauunternehmer, vor allem aber finanzielle Sicherheit. Tommy, der sich wegen seiner unehelichen Herkunft nie so richtig akzeptiert fühlte, will es allen zeigen. Und Ullas Mutter genießt das kleine Glück bürgerlichen Lebens – endlich gibt es wieder Bohnenkaffee und Buttercremetorte.

Am kompaktesten und überzeugendsten wirkt das „deutsche Märchen“ in den Beschreibungen der späten 40er- und frühen 50er-Jahre mit seiner zu diesem Zeitpunkt überschaubaren Zahl von Protagonisten. Je mehr sich die Familiengeschichten aufsplittern, je mehr immer neue Erzähl-Fäden gesponnen werden, desto mehr Probleme scheint der Erzähler zu haben, eine durchgehende Linie zu halten. Stattdessen gerät manches arg klischeelastig und platt – etwa die Beschreibung der DDR oder der 68er-Jugendprotestbewegung. Da wäre weniger mehr gewesen.

Unterhaltsam ist die Lektüre der „wunderbaren Jahre“ durchaus, erinnert an die Geschichten von Eltern oder Großeltern über das D-Mark-Wunder, Petticoats und die Zeiten, in denen Rock ’n’ Roll noch der Ruf der Rebellion anhaftete. Eine historische Analyse soll das Märchen bundesdeutscher Gründerjahre schließlich nicht sein. Die Vielzahl von Nebenfiguren, die sich über die 60 Jahre erzählter Geschichte auf den Buchseiten tummeln, trübt den Lesefluss. Wer epische Familienromane liebt, dürfte darüber allerdings großzügig hinwegsehen.