Kultur

Im Tod vereint

Nur einen Tag nach Carrie Fisher ist nun auch ihre Mutter, Hollywoodstar Debbie Reynolds, gestorben

Was für eine tragische Zuspitzung. Nur einen Tag nach Carrie Fisher ist auch ihre Mutter Debbie Reynolds gestorben. Die 60-Jährige war am Dienstag an einem Herzinfarkt gestorben. Danach hatte Debbie Reynolds noch per Facebook deren Fans gedankt: „Ich bin dankbar für Eure Gedanken und Gebete, die sie jetzt zu ihrer nächsten Station begleiten. In Liebe, Carries Mutter.“ Doch die 84-Jährige sollte sie nur um eine Nacht überleben. Der Stress nach dem Tod sei zu viel für sie gewesen, gab Todd Fisher bekannt, der nun gleich zwei Verluste verarbeiten muss.

Eine symbiotische, aber auch schwierige Beziehung

Der tragische Doppelschlag in so kurzer Zeit ist auch deshalb so ergreifend, weil die beiden Frauen eine innige, aber auch schwierige Beziehung zueinander hatten. Als Carrie Fisher geboren wurde, war Debbie Reynolds ein großer Hollywoodstar. Als sie zwei Jahre alt war, scheiterte die Ehe der Eltern. Carrie und ihr jüngerer Bruder Todd wuchsen bei der Mutter auf, die aber dachte nicht daran, ihre Karriere zu opfern – was damals durchaus noch selten war. Die Kinder mussten damit fertigwerden, dass die Mutter oft nicht da war und mussten sie mit ihren Fans teilen. Das fand Carrie Fisher „schwierig“, wie sie noch im vergangenen Jahr gestand. Sie wollte nicht „die Tochter von Debbie Reynolds sein“.

Sie flüchtete früh in Drogen. Nahm Alkohol, Marihuana, später auch härtere Drogen. Dann kam 1977, sie war gerade 20, der erste Star-Wars-Film „Krieg der Sterne“, in dem sie die Prinzessin Leia spielte. Plötzlich war sie selbst ein Star. Den überraschenden Erfolg aber konnte sie nicht verarbeiten, sie nahm noch mehr Drogen, stürzte ab. „Einige Male dachte ich, dass ich Carrie verlieren würde“, gestand Debbie Reynolds 2011, als sie mit ihrer Tochter bei der Talkmasterin Oprah Winfrey zu Gast war.

Ihren Absturz hat Carrie Fisher 1987 in einem Buch verarbeitet, in dem sie ganz offen mit ihren Süchten umging. Aber auch mit der Schwierigkeit, eine berühmte Mutter zu haben. „Postcards from the Edge“ („Grüße aus Hollywood“) wurde mit Meryl Streep und Shirley MacLaine auch verfilmt. Und plötzlich wussten alle, wie die beiden zueinander standen. Es sollte noch Jahre dauern, bis Carrie Fisher ihrer Mutter verzeihen konnte.

Aber auch die Mutter hatte einen schwierigen Werdegang. Geboren in armen Verhältnissen als Tochter eines Zimmermanns im texanischen El Paso, musste sie sich ihren Erfolg hart erarbeiten. Durch den Sieg bei einem Schönheitswettbewerb wurde das Hollywoodstudio Warner Bros. auf sie aufmerksam, hielt die hübsche Blondine dann aber doch nicht für hart genug für das Business. Und setzte sie wieder vor die Tür. Die Reynolds ließ sich nicht entmutigen. Und versuchte es bei dem größten aller Studios, MGM. Dort verhalf ihr nach einigen kleineren Rollen Gene Kelly zum Durchbruch: indem er sie für seine Musikkomödie „Singin’ in the Rain“ („Du sollst mein Glückstern sein“) besetzte. Und mit ihr durch Wasserpfützen patschte und tanzte.

Dieser Film und das Kinderkriegen seien die schlimmsten Erfahrungen ihres Lebens gewesen, gestand die Reynolds einmal. Sie musste sich dafür monatelang buchstäblich die Schuhe blutig tanzen. Aber der Film wurde ihr Durchbruch, auch sie war da gerade mal 20. Fortan spielte sie in zahlreichen Komödien und Musikfilmen, ergötzte ihre Fans durch ihren Humor und spielte nicht nur das Girl Next Door, sondern wurde auch so gesehen: als nettes Mädel von nebenan.

Privat aber musste sie immer wieder Schicksalsschläge einstecken. Der Sänger Eddie Fisher verließ sie nach kurzer Ehe für Liz Taylor und ließ sie mit den Kindern allein. Ihr zweiter Mann machte mit einer Schuhkette bankrott und verzockte als Glücksspieler ihr Vermögen. Und als ihre dritte Ehe mit einem Immobilienunternehmer in die Brüche ging, musste sie Konkurs anmelden, weil ihr gemeinsames Casino in Las Vegas pleite ging.

Zuletzt wohnten sie Tür an Tür

1970, lange vor „Star Wars“ also, hat sich Debbie Reynolds vom Film zurückgezogen. Und während Carrie Fisher früher „die Tochter von“ war, musste Reynolds nun lernen, „die Mutter von Prinzessin Leia“ zu sein. Ab den 90er-Jahren war sie aber wieder in Gastauftritten zu sehen, etwa in „Bodyguard“ neben Kevin Costner oder zuletzt in „Liberace“. Auch Carrie Fisher hat zuletzt noch ein Comeback erleben dürfen: Im neuen Star-Wars-Film „Die Macht erwacht“ spielte sie noch einmal die Rolle ihres Lebens, Prinzessin Leia.

Mutter und Tochter hatten da längst wieder zusammengefunden. Auch wenn das Verhältnis bis zuletzt nicht einfach war, lebten sie in Los Angeles wenn schon nicht mit-, so doch nebeneinander, Tür an Tür. Erst in diesem Jahr standen sie für die Dokumentation „Bright Lights: Starring Carrie Fisher und Debbie Reynolds“ gemeinsam vor der Kamera. Der Produzent des Films: Todd Fisher. Der tröstet sich nach dem Tod der Mutter: „Sie ist jetzt mit Carrie zusammen.“