Kultur

Rotbraun ist die Verbindung

Kleiner Querschnitt durch das Werk von Joseph Beuys in der Galerie Bastian

Dass Joseph Beuys (1921–1986) sich von einem so eleganten Objekt wie einem Konzertflügel anziehen lassen würde, verwundert zunächst. So elegant und formschön erscheint dieses Instrument, dass es so gar nichts von dem Archaischen hat, welches Beuys sonst so faszinierte. Tatsächlich sind jedoch seit den 60er-Jahren eine Reihe von Arbeiten entstanden, in denen ein Konzertflügel das zentrale Objekt ist. Mal sind die Beine abgesägt, mal ist er von Filz umhüllt oder steht in einem mit Filz verschalten Raum, mal ist ein Klavier zertrümmert, mit Blumen dekoriert und in einen Rahmen gestellt.

„Gyroscopische Plastik“ heißt der Flügel, der derzeit in der Galerie Bastian in Mitte zu sehen ist. Hier ist die künstlerische Intervention nur gering: Auf einem funktionstüchtigen Konzertflügel steht ein weißer Suppenteller aus Porzellan, darin liegt ein roter Kreisel. Versetzt man diesen in eine nahezu lautlose Bewegung und lässt ihn langsam austrudeln, so ist am Ende ein leichtes Scheppern zu hören und auch eine Art sphärischer Klang. So hatte es Beuys selbst 1982 in einer Aktion in Berlin demons­triert, nachdem er auf dem Flügel ein Stück von Erik Satie gespielt hatte.

Den verfremdeten Flügel flankieren andere Werke aus Beuys’ gesamter Schaffensphase – Zeichnungen, Malereien und weitere Skulpturen wie ein „Filzanzug“ (1970) und der „Hasenstein“ (1982), ein Basaltstein, auf den in Goldfarbe ein primitiver Hase gemalt ist, fast im Stil einer Höhlenmalerei.

Als Relikte einer vorgeschichtlichen Zeit interessierten Beuys frühe menschliche Spuren und die damit verbundene archaische Welt. Ein urzeitliches Fabelwesen, gemalt mit Hasenblut auf dünnes Japanpapier, stellt die größte Zeichnung aus dem Werk von Beuys dar. Nur die Zahlenfolge unter dem Urvieh weist den Weg aus einer archaischen Welt in eine andere Zeit und Zivilisationsstufe.

Etliche Gemälde in rotbräunlicher Farbe zeigen, wie Beuys Abstraktes und Gegenständliches nahtlos mischte. Mal malte er – sehr radikal in der Kunst – die Szene einer Geburt. Mal hält er abstrakt eine Kammer fest, die an den Querschnitt einer Grabkammer in einer Pyramide erinnert. „ :Kammer“ (1962) heißt das Werk, der Titel mit dem Doppelpunkt lässt eine Notation assoziieren und zeigt, wie wichtig Beuys noch das kleinste Detail war. Diese abstrakte Arbeit kombinierte Beuys in einem Rahmen mit dem „(SCHAMANEN)-Tanz“ (1964), einer aus wilden Linien aufsteigenden Figur, ganz gegenständlich und in vollkommenem Kontrast zur Abstraktion des anderen Blattes. Die Verbindung der beiden Werke entsteht hier durch die rotbräunliche Ölfarbe. Diese Farbe, die Beuys seit den 50er-Jahren verwendete, nannte er Braunkreuz, weil er oft braune Kreuze damit zeichnete. Mit ihr assoziierte er Erde und Blut, kurzum: Lebensenergie. Die sorgsam kuratierte Schau versammelt neben Werken aus der Privatsammlung von Heiner Bastian, Leihgaben und auch einige Werke, die zum Verkauf stehen.

Galerie Bastian, Am Kupfergraben 10, Mitte. Bis 28.1., Do–Fr 11–17.30 Uhr, Sa 11–16 Uhr.