Kultur

Auch beim Christkind kennt Désirée Nick kein Pardon

In ihrem Programm „I feel betta with Lametta“ packt das Schandmaul der Nation aus. Und damit sind nicht Weihnachtsgeschenke gemeint

„Na, was macht denn die Verdauung?“ Das ist nicht gerade die übliche Begrüßung auf der Bühne, selbst für einen Comedy-Abend. Aber Désirée Nick hat sich für die Premiere ihres Programms „I feel betta with Lametta“ nun mal just den ersten Weihnachtsfeiertag ausgesucht, ein, wie sie selbst gesteht, nicht unproblematischer Termin. Weil die Zuschauer einen langen Abend und schweres Essen hinter sich haben dürften. Nick gibt für ihren Abend deshalb einen Tipp, der typisch für die Entertainerin ist und auch schon den Grundton ihres Humors angibt: „Nicht nach innen lachen, das verursacht Blähungen.“

Sie kommt im divenhaften Leopardenmantel, ihr Haar wird von Weihnachtskugeln, aber auch schon einem Silvesterzylinder geschmückt, in den Händen hat sie jede Menge dicke Tüten. Mit Weihnachtsgeschenken. Nein, sie kommt nicht erst vom Geschenkeeinkauf, sondern schon von den Tauschbörsen. Jetzt lässt sie sich erst mal in einen Plüschsessel fallen, macht es sich mit Kerzen gemütlich. Holt ihr Strickzeug heraus und plaudert dabei aus dem Nähkästchen. Leicht gestrickte Unterhaltung, aber mit groben Maschen.

Désirée Nick hat das Schandmaul zur Kunst erhoben. Keiner ätzt so schön wie sie. Sie hat damit ein großes Stammpublikum erobert, darunter viele schwule Fans, die allerdings, so viel Gleichberechtigung muss schon sein, auch ihr Fett abkriegen. Das dürfte außer der Nick wohl keiner. Ins Kudamm-Theater drängt aber auch reichlich ­Silberhaarfraktion. Und viele, die die Lästerzunge bislang nur aus dem Fernsehen kannten, als Dschungelkönigin oder als Promi-Big-Brother-Kandidatin, und sie auch einmal leibhaftig beim Gifteln erleben wollen.

Die Ur-Berlinerin teilt denn auch gehörig aus, dass die Stricknadeln nur so klappern. Über alte Menschen vor allem, die nicht mehr so ganz können und denen sie sich durchaus zugehörig fühlt („Ich bin das It-Girl der Geriatrie“). Am besten sitzen die Zoten unterhalb der Gürtellinie. Da liegt ihr Humorzentrum. Aber nicht jede Pointe trifft. Wenn es etwa um die Gebärmutter von Frau Merkel geht, mag keiner recht lachen. Und der Witz, sie gehöre noch zu den Fahrern, bei denen keiner unters Auto gerät, hätte man sich so kurz nach dem Anschlag am Breitscheidplatz besser verkneifen sollen.

Noch deftiger gerät indes der zweite Teil des Abends, wo sie als Weihnachtself das Publikum zum Mitsingen in drei Geschlechter einteilt. Und die Weihnachtsgeschichte auf höchst derbe Art interpretiert. Da wird natürlich die unbefleckte Empfängnis in Frage gestellt. Und ein armer Zuschauer (man sollte tunlichst in den hinteren Reihen sitzen) muss ihr eine Babypuppe zwischen den Beinen hervorziehen, die das Jesuskind verkörpert. Das ist Weihnachtsfete und -exorzismus in einem. Eine schöne Bescherung! Ob das noch ganz passt in die Zeit zwischen den Jahren, bleibt freilich dahingestellt.

Theater am Kurfürstendamm , Kurfürstendamm 206/209, Tel.: 88 59 11 88.
Termine: 30.12., 20 Uhr, 31.12., 19 u. 23 Uhr.