Kultur in Berlin

Iran-Ausstellung in Berlin steht auf der Kippe

Eigentlich sollte die Schau „Das Teheran Museum“ bereits am 4. Dezember in der Wandelhalle am Kulturforum eröffnet werden.

Das Bild Autumn leaf von Jalil Ziapoor

Das Bild Autumn leaf von Jalil Ziapoor

Foto: © Tehran Museum of Contemporary Art

„Die Reise hat stattgefunden“, so kurz und knapp ist die Antwort auf die Frage, wie die Verhandlungen über die verschobene Ausstellung mit dem Museum in Teheran gelaufen sind. Ein positives Statement klingt anders.

Eigentlich sollte die Schau „Das Teheran Museum“ bereits am 4. Dezember in der Wandelhalle am Kulturforum eröffnet werden. Im Ministerium von Frank-Walter Steinmeier möchte man den „Fall Teheran“ nicht hochspielen, die Verhältnisse im Iran sind höchst kompliziert und bei Steinmeier setzt man auf Diplomatie, das gehört zum Job.

Zumal die Ausstellung als Coup galt, als Symbol der Annäherung beider Länder und neue Kooperation zweier großer Museen. Die Sammlung mit Werken von Andy Warhol, Jackson Pollock & Co. hatte in den 70er-Jahren Farah Diba, die Ehefrau des letzten Schahs, aus der ganzen Welt zusammengetragen.

Warhol und Pollock gehören in den Sammlungsbestand

Dass der Termin Anfang Dezember nicht zu halten war, ist seit Wochen klar. Die Ausfuhrgenehmigung für 60 Kunstwerke fehlte, sie komme aber, hieß es bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Als neuer Termin wurde der Januar angekündigt. Der Aufschub sei bedingt durch den Wechsel des Kulturministers, der sich erst einarbeiten müsse. Dass es einen rechtskräftigen Vertrag mit Berlin gibt, schien die Iraner dabei nicht zu beindrucken.

Also flog in der Nikolaus-Woche Andreas Görgen, Leiter der Abteilung Kultur und Kommunikation im Auswärtigen Amt, zusammen mit Joachim Jäger, Leiter der Nationalgalerie, in den Iran, um endlich Klarheit darüber zu bekommen, wann – und ob die Bilder überhaupt nach Berlin reisen können.

Verhandlungspartner ist nicht das Museum in Teheran, sondern das Innenministerium. Einen neuen Termin gibt es bis heute nicht und es ist ungewiss, ob es einen geben wird. Noch ist die Ausstellung auf der Webseite der Staatlichen Museen für Januar angekündigt.

Allerdings klingt Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, nicht optimistisch. „Wir haben nicht mehr viel Zeit. Dennoch geben wir die Hoffnung nicht auf, dass uns aus Teheran in den nächsten Tagen noch ein positives Signal erreicht und die Bilder reisen können. Ich sage aber auch, dass die Staatlichen Museen zu Berlin eine verbindliche Ausstellungsplanung brauchen.“

Januar ist der letztmögliche Termin für die Schau

Diesen Schwebezustand wird Parzinger bald beenden müssen – der Januar ist der letztmögliche Termin für die Schau. Würde die Ausfuhrgenehmigung vorliegen, braucht man drei Wochen für die Vorbereitung und den Transport der Bilder nach Berlin. Da muss man nicht groß rechnen, zeitlich ist es eng.

Dabei geht es um weit mehr als um fehlende Papiere, der Kunst-Austausch hat sich im Iran zum Politikum entwickelt, dort gibt es verschiedenste Interessenslagen. Die Konservativen betrachten die Werke als „Nationalgut“, wollen sie unter keinen Bedingungen in den verhassten Westen ziehen lassen. Andere kritisieren, die Sicherheit sei nicht gegeben, sie befürchten, Deutschland könne die Kunstschätze dauerhaft einbehalten.

Der Vertrag auf Rückgabe der Leihgaben aus dem Museum in Teheran wurde vom Land Berlin unterzeichnet, nicht vom Bundeskanzleramt. Im Iran sorgen solche föderalen Vorgänge für Misstrauen. Es mangelt schlicht an Erfahrung im kulturellen Austausch und wohl auch an praktischer Umsetzung.

Heftig gestört wurde der Dialog Berlin–Teheran jedoch bereits vor Monaten. Majid Mollanoroozi, Direktor des leihgebenden Museums, hatte bei einem Wettbewerb Holocaust-Karikaturen prämiert. Dieser Skandal sorgte für heftige Missstimmung in Berlin, Mollanoroozi war als Partner nicht mehr akzeptabel. Wie auch immer, kulturpolitisch ist diese Ausstellung kein Vorzeigeprojekt mehr.