Kultur

Ein Bankräuber, der sein Schweigen nicht brechen will

Jürgen Vogel als verschlossener Sonderling: „Der weiße Äthiopier“

Jürgen Vogel hat in jüngster Zeit eine Menge zu tun und das an ziemlich ungewöhnlichen Orten. Am 1. Weihnachtstag sieht man an ihn als Schurke Rattler, der in „Winnetou – Eine neue Welt“ Old Shatterhand auf RTL das Leben schwer macht. Gedreht wurde in Kroatien. In „Iceman – Die Legende von Ötzi“, der 2017 ins Kino kommen soll, kraxelte er vor Kurzem in Südtirol und Bayern auf Gletschern herum. Und für den TV-Film „Der weiße Äthiopier“ führte den gebürtigen Hamburger sein Weg, wie der Titel schon sagt, nach Afri­ka – zum ersten Mal.

Vogel verkörpert in diesem Film einen zerrissenen Charakter. Frank Michalka saß wegen Bankraubs im Gefängnis. Nachdem er freigelassen wird, überfällt er gleich wieder eine Bank, versucht aber gar nicht erst, mit der Beute zu entkommen, sondern lässt sich von der Polizei festnehmen und wirkt völlig apathisch und resigniert. Als es zur Gerichtsverhandlung kommt, scheint die Lage eindeutig zu sein. Für Rechtsanwalt Weilandt (Thomas Thieme) ist er ein Fall wie jeder andere. Aber seine Referendarin Sophie Kleinschmidt (Paula Kalenberg) meint, hinter dem hartnäckigen Schweigen des Angeklagten etwas entdeckt zu haben. Ein afrikanisches Kinderlied, das sie ihm schickt, bricht den Bann. Stockend beginnt er zu erzählen. Er berichtet von einer unglücklichen Jugend. Auf der Suche nach einer zweiten Chance ging er nach Afrika, fühlte sich zum ersten Mal in einer Gemeinschaft akzeptiert und verliebte sich in die junge Witwe Ayantu (Sayat Demissie). Dann musste er erleben, wie zerbrechlich auch dieses Glück war.

Der zurzeit im Fernsehprogramm fast schon omnipräsente Ferdinand von Schirach („Terror“) schrieb die Kurzgeschichte, auf der dieser Film basiert. Nach seinen Büchern entsteht auch gerade eine neue Staffel von „Schuld“, in dem Vogel neben Moritz Bleibtreu spielt. Das Ergebnis ist hier eine von Tim Trageser inszenierte vielschichtige Mischung aus Sozialdrama und Gerichtsfilm.

„Der weiße Äthiopier“ ARD, heute, 20.15 Uhr