Kino

Paukenschlag zum Weihnachtsessen: „Eine schöne Bescherung“

Nichts ist normal in dieser Familie. Da kann der Kinderwunsch der schwulen Söhne eigentlich nicht mehr schockieren. Oder doch?

Wie sagen wir’s der Familie: Das schwule Paar und seine Leihmutter

Wie sagen wir’s der Familie: Das schwule Paar und seine Leihmutter

Foto: Arsenal Film

„Was soll schon schief gehen?“, fragt Simon (Anastasios Soulis) seinen Lebensgefährten Oscar (Anton Lundqvist). Die beiden haben ihre Familien zu Weihnachten eingeladen, um zu verkünden, dass ihre Freundin Cissi (Rakel Warmländer) für sie ein Kind austrägt. Unter dem mit Bio-Schinken und laktosefreiem Reispudding gedeckten Tisch brodelt es gewaltig, als Oscars spießige Familie auf Simons geschiedene Eltern trifft.

Regisseurin Helena Berg­ström („Schwedisch für Fortgeschrittene“) spielt in dieser Patchworkfamilie alle Beziehungsmodelle durch: Die Söhne sind schwul, die Tochter alleinerziehend, die Schwiegermama hat einen weit jüngeren Freund – alle müssen lernen, dass der vermeintliche „Normalfall“ nicht mehr die Regel, sondern die Ausnahme ist.

Der Normalfall ist nicht die Regel

Die schwedische Tradition, an Weihnachten alte Donald-Duck-Filme zu schauen, wird ebenso durch den Kakao gezogen wie der Hang zu rechtspopulistischen Parteien. Simons Vater bringt es auf den Punkt: „Wenigstens sind wir nicht langweilig!“

Ungezwungen und unverkrampft zeigt der Film knutschende Männer, Frauen, die sich über Inkontinenz unterhalten, und auch vor Blasphemie am Heiligen Abend wird nicht Halt gemacht. Dabei sind die Figuren keine plumpen Komödienholzschnitte, sondern durchaus ambivalent. Man sollte sich nicht vom recht einfallslosen deutschen Trailer täuschen lassen – „Eine schöne Bescherung“ ist lustig, herzlich und rutscht nie in den Kitsch ab.