Kultur

Losgelassene Objekte führen ein surreales Eigenleben

Fotografische Verrückungen von Anna & Bernhard Blume

Um einen schnöden Küchentisch, auf dem mal ein Topf aus Eisen steht, mal keiner, gruppiert sich ein spießiges Paar. Sie trägt ein Blumenkleid, er ein kariertes Hemd. Doch die kleinbürgerliche Ordnung löst sich direkt vor unseren Augen auf: Nicht nur die Dinge fliegen, besessen von unsichtbaren Kräften, unkontrolliert durch die Gegend, auch die Körper des Paares verrenken sich wild in hysterischer Ekstase. Sie bewegen sich in halsbrecherischer Akrobatik und traumtänzerischer Trance um den Tisch. Mitunter verwischen die Gesichter und Körperkonturen, Gegenstände mutieren zur geisterhaften Erscheinung.

Kaum jemand hat die Klaustrophobie kleinbürgerlicher Enge so pointiert auf den Punkt gebracht wie das Künstlerpaar Anna & Bernhard Blume. Mit großer Lust am Verkleiden und performativen Spiel vollzogen sie ihre Aktionen und hielten sie mit dem Selbstauslöser fest. So schufen sie ihre Szenen mit dem „surrealen Eigenleben losgelassener Objekte“ und den „verrückten ekstatisch weggetretenen, kataleptischen Subjekten“, wie Bernhard Blume es einmal beschrieb. Immer sind es Serien, Geschichten von Auflösung und Bedrohung, bei denen das Unbewusste aus allen Ecken kriecht. Abgründig verrückt erscheint die Welt der Blumes und stets auch augenzwinkernd ironisch.

In der Galerie Buchmann Box sind mehrere Arbeiten des Künstlerpaares zu sehen, das sich in den 60er-Jahren beim Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie kennenlernte. Als junge Studenten erlebten sie die schamanischen Aktionen eines Joseph Beuys und lebendige Kunstformen wie Happening und Fluxus. Mit ihren oft lebens- oder überlebensgroßen Schwarz-Weiß-Fotografien haben die beiden Künstler ein Panoptikum des Skurrilen mit tragikomischen Zügen geschaffen.

Anna & Bernhard Blume. Spiritistische Sequenzen. Bis 14.1.2017, Mi–Sa 14–18 Uhr, Buchmann Box , Charlottenstraße 75, Mitte