Kultur

Der etwas andere Zirkus

Im Roncalli Weihnachtscircus erzählen die Darbietungen von fremden Welten, Liebe und Abenteuern

Schon von Weitem leuchtet der Schriftzug über dem Tempodrom: „Circus Roncalli“. Zum 13. Mal gastiert der Zirkus, der in diesem Jahr sein 40-jähriges Bestehen feiert, nun bereits zu Weihnachten in Berlin. Das Tempodrom hat sich mit Stoffbahnen zumindest von innen in ein Zirkuszelt verwandelt. Als die Kapelle anfängt zu spielen, fehlt nur der Duft der Sägespäne, um sich wie in einem Wanderzirkus zu fühlen.

Dass Roncalli kein gewöhnlicher Zirkus ist, bemerkt man schon, als statt eines stolzen Zirkusdirektors mit Zylinder der Clown Housch-ma-Housch die Bühne betritt. Mit schwarz-weiß geschminktem Gesicht und schwerfälligem Gang, trägt er das Erscheinungsbild eines alten Mannes. Sein Wortschatz dagegen ist der eines Kindes – er geht nicht über „wow“, „oh“ und „kaputt“ hinaus. Mit Mimik und Pantomime führt er durch das Programm. Die Lichteffekte, die Tänzerinnen – alles löst bei ihm kindliche Begeisterung aus, die sich auf die Zuschauer überträgt.

Zirkusdirektor Bernhard Paul erfüllte sich einen Jugendtraum, als er 1976 seinen Job an den Nagel hängte, um einen Zirkus zu gründen. Roncalli steht in der Tradition des klassischen Zirkus, mit einer Änderung: Es wird ohne Wildtiere gearbeitet, einzig Pferde tauchen in der Show auf. Stattdessen erzählen die Darbietungen von fremden Welten, von Liebe und Abenteuern und überraschen mit Höchstleistungen.

Die Zwillinge des Duo Polonsky tragen bei ihrem Auftritt neonfarbene Anzüge, auf denen alle Muskelgruppen des menschlichen Körpers abgebildet sind, und angesichts der artistischen Darbietung dürften die beiden auch nur aus Muskeln bestehen. Die Argentinierin Elayne Kramer dagegen hat scheinbar keine Wirbelsäule; sie biegt sich wie eine Schlange, verfügt über unglaubliche Körperbeherrschung und scheint die Gesetze der Physik außer Kraft zu setzen, wenn sie, nur auf ihren Hals gestützt, mit den Füßen Pfeil und Bogen bedient.

Ein „Klassiker“ des Zirkus kommt natürlich auch vor: Hochseilartist Freddy Nock bereitet dem Publikum Höllenqualen, als er bei seiner ungesicherten Nummer fast zehn Meter in die Tiefe fällt und sich im letzten Moment noch halten kann.

Ein besonderes Highlight ist die Vorstellung des Duo You & Me. In der Mitte der Manege steht ein Mast, die beiden schweben anmutig an langen Seilen um ihn herum, wie Fliegen an einer glatten Wand laufen sie senkrecht am Mast empor, verschlingen sich ineinander. Atemberaubend schön ist die Darbietung des Ehepaares, das 2015 bei „Das Supertalent“ auftrat und dementsprechend auch lauten Beifall kassierte.

Beeindruckend ist auch der sekundenschnelle Umbau durch Helfer in rot-goldenen Uniformen, der jedes Mal von einer Tanzeinlage begleitet wird. Zum Abschluss spielt die Kapelle die vertraute Zirkusmusik und die Konfettikanonen gehen los.

Roncalli-Weihnachtscircus.
Bis 2. Januar im Tempodrom, Möckern-
straße. Tickets unter 49 (0) 541 - 130 991 00, auf roncalli.de oder an der Abendkasse.