Kultur

Klaus Hoffmann schon vor dem ersten Ton gefeiert

Er liebt die ausladende Geste des Entertainers. Er schätzt die theatralische Pose des Chansonniers. Und er schafft es, große Gefühle ganz ohne Pathos zu bewegenden Liedern zu formen. Als der Berliner Sänger Klaus Hoffmann am Montagabend auf die Bühne des prallvollen Friedrichstadt-Palastes tritt, brandet sofort dankbarer Jubel auf. Dabei hat er noch keinen Ton gesungen. Er kann sich auf seine Fans verlassen, die ihm über Jahrzehnte die Treue halten.

„So lang her“ vom neuen Album „Leise Zeichen“ steht am Anfang dieses dreistündigen Abends, bei dem Hoffmann einen Bogen schlägt vom Beginn seiner Karriere in den 70er-Jahren bis ins Heute. „So lang her“ könnte auch als Motto über diesem Konzert stehen, denn wie dieser geradezu poppige Song seine Jugendjahre voller Hippies, Sturm und Drang skizziert, so breitet Hoffmann in seinen pointierten Erzählungen zwischen den Liedern sein Leben aus, seinen Weg vom neugierigen Steppke im Trümmer-Berlin über die Erfolge als Schauspieler bis zu seinen musikalischen Höhenflügen.

„Danke, dass Sie da sind“, sagt er zur Begrüßung, „und Danke für Ihren guten Geschmack“. Im schicken Anzug plaudert er über sein Berlin. Er sei ein unglaublich gut aussehendes Kind gewesen damals, sagt er, und: „Eigentlich war ja Charlottenburg die Stadt. Der Rest war Spandau.“ Er erzählt von den flüchtigen Momenten, die so prägend waren und ihn ein Leben lang begleiten. „Die Stadt hat heute dein Gesicht“ singt er und den „Kreuzberger Walzer“, „Was fang ich an in dieser Stadt“ und „Blinde Katharina“. Und auch „So sind hier die Leute“, seine imponierende Adaption des Brel-Chansons „Frida“ vom 1975 erschienenen Debüt-Album gehört zum Repertoire. Seine Musiker sind ein bewundernswert eingespieltes Team, wechseln von jazzigen Arrangements über polkahafte Couplets und lateinamerikanischen Rhythmen bis zu Afro-Pop-Anleihen und charmanten Chansonmelodien. Keyboarder Hawo Bleich, Gitarrist Micha Brandt, Bassist Peter Keyser und Schlagzeuger Stephan Genze stärken dem immer wieder ausgelassen über die Bühne tänzelnden Hoffmann seit vielen Jahren musikalisch den Rücken. Das Aznavour-Chanson „Sie“ widmet er seiner Frau Malene, mit „Ich hätt so gern diesen Walzer mit ihr getanzt“ erinnert er sich an seiner erste pubertäre Liebe auf Sylt und das Mitte der 90er-Jahre entstandene „Bin ein Fremder“ ist wieder aktuell.

Viele neue Songs gibt es zu hören, so das engagierte „Das Ende aller Tage“ oder das komödiantisch-ironische „Es regnet immer auf Sylt“. Und nach der Pause gibt es noch eine Überraschung. Hoffmann bittet seinen Freund und Weggefährten Reinhard Mey auf die Bühne, und sie singen Klassiker wie „Komm, gieß mein Glas noch einmal ein“ oder den neuen Mey-Song „Zeit zu leben“. Da ist das Publikum längst aus dem Häuschen, applaudiert stehend zwei Sänger-Legenden und jubelt Klaus Hoffmann immer wieder für Zugaben zurück.