Kultur

Vergessene Musik im Kühlhaus am Gleisdreieck

Abwartend zupfende Streicher, düstere Klavierklänge: Aus dieser unheilvollen Untermalung schraubt sich eine bittersüße Violine hoch, deutet ein jüdisches Volkslied an. Träumtänzerisch und surreal wie eine verwischte Erinnerung erzählt diese Melodie von der verlorenen Heimat.

Der Kammermusikabend im „Kühlhaus Berlin“ hat es sich zum Ziel gemacht, den fast vergessenen polnischen Komponisten Mieczysław Weinberg wieder zu entdecken. Sein Klaviertrio op. 24 in a-Moll ist durchdrungen von Melancholie. In seiner Heimat wird er bis heute selten gespielt, was am Unwillen liegt, sich mit der jüdischen Tradition auseinanderzusetzen. Das bekam kürzlich auch Katarzyna Wielga-Skolimowska, Leiterin des polnischen Kulturinstituts Berlin, zu spüren. Sie wurde abberufen mit der Begründung, sie hätte sich zu sehr mit polnisch-jüdischen Themen befasst. Das zweite Stück des Abends stammt von Egon Wellesz. Wie Weinberg war der Komponist Jude und musste vor den Nazis ins Exil nach England fliehen, wo seine Musik nicht mehr beachtet wurde. Sein Oktett op. 67 ist spröde, erzählt dennoch von großen Gefühlen und bedient sich hierfür bei der dissonalen Zwölftonmusik.

Das Konzert ist Teil der Reihe „Klassik im Kessel“, in der sich das Rundfunkorchester des RBB zum Ziel gesetzt hatte, unbekanntere Werke der Neuen Musik an ungewohnten Orten zu präsentieren. Durch den Abend führt Volker Wieprecht, als Pop-Moderator bei radioeins auf unbekanntem Terrain, und macht die Stücke mit klugen Anmerkungen und hintersinnigen Nachfragen für wenig klassikversierte Zuhörer zugänglich.

Der Mitschnitt des Konzerts wird am 18. Dezember ab 21.05 Uhr im Deutschlandfunk ausgestrahlt.