Fernsehen

Diesmal geht es ans Eingemachte: der „Tatort“ aus Berlin

Experiment horizontales Erzählen: Im vierten Fall der neuen Berliner „Tatort“-Kommissare werden alle Fäden der bisherigen Folgen aufgelöst

Beide müssen diesmal viel einstecken: Die Kommissare Karow (Mark Waschke, l.) und Rubin (Meret Becker)

Beide müssen diesmal viel einstecken: Die Kommissare Karow (Mark Waschke, l.) und Rubin (Meret Becker)

Foto: RBB/Oliver Vaccaro / rbb/Oliver Vaccaro

Gleich zu Beginn spritzt der Kommissarin Nina Rubin (Meret Becker) rote Flüssigkeit ins Gesicht. Nein, es ist kein Blut, es ist nur Rote-Bete-Salat, den sie für die Bar-Mizwa-Feier ihres jüngeren Sohnes zubereitet. Kurz darauf spritzt auch ihrem Partner, Kommissar Robert Karow (Mark Waschke) etwas Rotes ins Gesicht. Diesmal ist es Blut. Das von dem Kronzeugen (Robert Gallinowski), der ihn vor Gericht entlasten sollte.

Später wird noch mehr Blut im Gesicht des eigenbrötlerischen Kommissars kleben. Und diesmal ist es auch sein eigenes. Denn beim Versuch, endlich seine Unschuld am Tod eines ehemaligen Kollegen zu beweisen, fällt er seinen Gegnern in die Hände. In „Dunkelfeld“, dem vierten Fall des „Tatort“-Duos Rubin und Karow, geht es ans Eingemachte.

Seit Meret Becker und Mark Waschke vor zwei Jahren gegen die bisherigen Kommissare Boris Aljinovic und Dominic Raacke ausgetauscht wurden, sind die Berliner „Tatorte“ nicht nur kieziger und rauer geworden. Man erzählt jetzt auch horizontal. Das ist das neue große Ding bei internationalen Serien. Auch der Dortmunder „Tatort“ macht das schon seit geraumer Zeit, indem er die persönlichen Geschichten seiner Ermittler über mehrere Folgen hinweg erzählt. Die Berliner „Tatort“-Macher sind aber noch einen bedeutenden Schritt weiter gegangen. Indem sie einen ganzen zusätzlichen Strang erzählten, eben den des unaufgeklärten Todesfalls von Karows früherem Partner.

War das in den vorherigen drei Folgen nur eine wichtige Nebenhandlung, wird sie nun mit der Ermordung des Kronzeugen zum Hauptfall. Alle Fäden, die bislang ausgelegt wurden, werden hier miteinander verknüpft. Auch die Familiengeschichte der Kommissarin kulminiert hier, wobei Frau Rubin in einen starken Gewissenskonflikt gerät. Um ihre auseinanderbrechende Familie zu kitten, hat sie sich extra für die Feier des Sohnes einen Tag freigenommen, doch trotz ihres gelinde gesagt schwierigen Verhältnisses zu ihrem Partner Karow kann sie ihn nicht allein lassen. Und stiehlt sich, noch im feinen Kleid, weg von der Feier, um Karow irgendwie zu retten.

„Dunkelfeld“ ist mit Abstand die bislang spannendste und stärkste Folge der neuen Berliner Ermittler, die ohnehin starke Auftritte haben. Und doch wird das Publikum vor eine große Herausforderung gestellt. Weil die bisherigen Fährten ja über zwei Jahre hinweg ausgestreut wurden. Und sich nicht jeder so genau daran erinnern kann, was bisher alles vorgefallen ist. Da hilft es nur wenig, dass die ARD am vergangenen Freitag spätabends Folge Drei noch einmal wiederholt hat.

Da hilft es auch nur wenig, dass zu Beginn der neuen Folge eine Art „Was bisher geschah“ eingeblendet wird. Nein, mit diesem horizontalen Erzählen riskiert der Sender, dass nicht jeder Zuschauer dem Ganzen noch recht folgen kann. Und womöglich ab- oder umschaltet. Die ganze Kunst der Verschachtelung, aber auch die ganze Logik erschließt sich vielleicht nur, wenn man sich in der ARD-Mediathek einmal alle Fälle hintereinander anschaut.

Immerhin: Mit „Dunkelfeld“ kommen alle bisherigen Geheimnisse zu einem knalligen Ende und einer endgültigen Auflösung. Bleibt abzuwarten, ob man sich für die kommenden Berliner „Tatorte“ weitere übergreifende Handlungsstränge überlegt. Oder ob künftig jede Folge in sich abgeschlossen wird.

Tatort: Dunkelfeld. ARD, Sonntag, 20.15 Uhr