Kultur

Wenn ziemlich beste Freunde sich nach Jahren wiedersehen

Die alte Bundeshauptstadt hat unter der Wiedervereinigung vielleicht am meisten leiden müssen. Umso ironischer mutet es an, dass für den Film „Westen“, der von einer Flucht aus dem Osten in den Westen Berlins erzählt und in einer Transitstation hängenbleibt, ausgerechnet Bonn die Kulisse stellte. Oder genauer: eine Militärkaserne in Gallwitz. Das Notaufnahmelager in Marienfelde, in dem die Filmhandlung spielt, ist ja inzwischen Erinnerungsstätte und stand daher nicht zur Verfügung. Stattdessen kamen die Location-Scouts auf das leerstehende Militär-Areal. Es war kalt dort und zog überall, wie sich die Hauptdarstellerin Jördis Triebel erinnert. Es passte perfekt zu diesem Film, in dem der Goldene Westen ein Versprechen bleibt und einfach kein Ankommen ist.

Jeden ersten Dienstag im Monat zeigt der Zoo Palast gemeinsam mit der Berliner Morgenpost einen genuinen Berlin-Film. Und wenn auch nur die Außenaufnahmen dort gedreht wurden, gehört diese Produktion aus dem Jahr 2014 unbedingt dazu. Für Jördis Triebel, die für die Vorführung am Dienstagabend zu Gast war, war es ein ganz persönlicher Film. Denn sie und Regisseur Christian Schwochow waren als Kinder ziemlich beste Freunde. Als den Schwochows ein lang gestellter Ausreiseantrag knapp vor dem Mauerfall bewilligt wurde, war die damals zwölfjährige Triebel sehr traurig. Weil sie glaubte, sie würden sich nie wiedersehen. Jahre später trafen sie sich dann wieder. Er war inzwischen Regisseur, sie Schauspielerin. Von da an war klar: Wenn er ein passendes Projekt hätte, würde sie die Hauptrolle spielen. Das war dann „Westen“. Und der lebt gerade von dem tiefen Verständnis zwischen Regisseur und Schauspielerin. Es geht in dem Film, wie Triebel betont, aber nicht nur um die DDR, sondern prinzipiell um das Verlassen der Heimat und das Nicht-Ankommen. Durch die Flüchtlingskrise hat der Film eine Aktualität bekommen, die man damals, beim Filmstart, nicht recht sehen wollte.

Als nächstes wird in der Reihe „Hauptrolle Berlin“ am 3. Januar „Alles auf Zucker“ von Dani Levy gezeigt.