Kultur

Der Zukunft zugewandt

„Don’t Look Back“ – Malerei und Skulptur bei Contemporary Fine Arts

Sie schaut uns direkt an, ein wenig nachdenklich vielleicht, kein Lächeln um den Mund, das Gesicht von dunklem Haar umrahmt, der Pullover strahlend blau. Er hingegen würdigt uns keines Blickes. Den Kopf leicht geneigt, blickt er in die Tageszeitung in seiner Hand. So malte die Österreicherin Maria Lassnig (1919–2014) Ingrid und Oswald Wiener 1978 in Berlin. Die Porträtierten waren die Betreiber des einstigen Künstlertreffs „Exil“ am Paul-Lincke-Ufer in Kreuzberg. David Bowie, Rainer Werner Fassbinder, Dieter Roth, Joseph Beuys, Otto Sander und Peter Stein waren hier Gäste, und ebenso Maria Lassnig, die im Rahmen eines DAAD-Stipendiums in Berlin weilte. Auch Bruno Brunnet, Gründer der Galerie Contemporary Fine Arts, hielt sich dort oft und gerne auf.

Das Ölgemälde der Künstlerin bildet den Auftakt zu einer sehr persönlichen, von Bruno Brunnet zusammengestellten Gruppenausstellung in der Charlottenburger Dependance der Galerie. „Don’t Look Back“ ist der programmatische Titel. Arbeiten zweier neuer Künstler der Galerie werden gezeigt, etwa das löchrige Selbstporträt in Form einer Bronzeskulptur von Bjarne Melgaard (2016) oder die farbenfroh gestisch expressive Malerei von Spencer Sweeney, darunter ein humoristisches Selbstporträt von 2015 mit Karotte auf dem Kopf. Als Insignien seines Künstlertums tauchen ein Totenschädel und eine Palette auf, die auf grimmige Malerentschlossenheit schließen lassen.

Spencer Sweeney entdeckte Brunnet in dem Londoner Off-Space des schottischen Künstlers Peter Doig, mit dem die Galerie zusammengearbeitet hat. Dessen Hochzeitgeschenk an das Galeristenpaar Bruno Brunnet und Nicole Hackert hängt auch in der Ausstellung. Das Gemälde zeigt einen Mann, der auf einer Wiese liegt, Doig hatte sich bei der Motivwahl von den Fotografien beeinflussen lassen, die Hans Namuth von Jackson Pollock gemacht hatte.

Viele der ausgestellten Künstler wie Herold, Tal R, und Gert & Uwe Tobias, Dana Schutz und Georg Baselitz werden von Contemporary Fine Arts vertreten. Künstler wie Maria Lassnig und Eberhard Havekost gehören nicht zum Programm. Von Letzterem sind zwei sehr unterschiedliche Porträts ausgestellt: ein abstrahiertes Babyporträt von 2014 und das sehr realistische Porträt von „Volker“, dem Wirt vom Schleusenkrug.

Contemporary Fine Arts, Grolmanstr. 32/33 , bis 28. Januar, Di–Fr 11–18 Uhr, Sa 11–16 Uhr