Theaterkritik

Wenn die Schauspieler zu fliegen scheinen

RambaZamba feiert mit einem großen Fest den 25. Geburtstag

Meret Becker tänzelt über den Laufsteg, zaubert aus einer leeren Box einen Blumenstrauß, hält Zora Schemm an der Hand, die auf einem großen roten Ball balanciert, und singt mit flirrender Stimme ein traumwandlerisches Zirkuslied: „Wir sind ja das Fliegen gewohnt.“ Einen kurzen Moment nur dauert Beckers Auftritt, und doch ist er ein Höhepunkt des langen Programms, mit dem das Theater RambaZamba seinen 25. Geburtstag in der Kulturbrauerei feiert. Denn er steht für die besten Momente dieses Hauses und seines Ensembles: Wenn die Realität aufhört, der Zauber übernimmt, und die Gefühle wahrhaftig werden, scheinen die Schauspieler zu fliegen.

Dabei zeugt die Existenz des Theaters vor allem von vielen Kämpfen und Durchsetzungskraft. 1991 gründete Gisela Höhne das RambaZamba, weil sie davon überzeugt war, dass Menschen mit geistiger Behinderung künstlerisch etwas zu geben haben. Ihr Sohn Moritz war 1976 mit dem Downsyndrom geboren worden, die Förderung von Menschen mit geistiger Behinderung damals so gut wie nicht vorgesehen. „Prinz Weichherz“, die erste RambaZamba-Inszenierung, lief noch am Deutschen Theater. Später besetzte das RambaZamba-Team Räume in der heutigen Kulturbrauerei, die sie längst offiziell nutzen. Seit 2000 erhält RambaZamba eine institutionelle Förderung, seit 2008 sind die Ensemblemitglieder über das Werkstattsystem als Vollzeit-Schauspieler angestellt.

Prominente Förderer wieClaus Peymann und Bruno Ganz

Von Anfang an hatte das RambaZamba prominente Freunde und Förderer wie Claus Peymann und Bruno Ganz. Oder auch Herbert Fritsch, der beim Geburtstagsfest im überfüllten Foyer steht und plaudert. Dass Höhne lange Jahre Ensemblemitglied im Deutschen Theater war und Angela Winklers Tochter Nele bei RambaZamba spielt, dürfte zur Promidichte unter den RambaZamba-Fans beigetragen haben. Angela Winkler stand hier auch selbst auf der Bühne, gerade spielt Eva Mattes in „Der gute Mensch von Downtown“.

Ein anderer Höhepunkt des Geburtstages ist der Auftritt der Band 21 Downbeat, die ohrenbetäubend und mit lässiger Coolness schräge Songs in den Raum schmettern. Drei Musiker ohne, vier mit Behinderung – schöner, wilder, gleichberechtigter kann Inklusion kaum sein.