Kultur

Stephenie Meyer überrascht mit „The Chemist“

Die Amerikanerin Stephenie Meyer ist mit ihren Romanen um die junge Bella und den Vampir Edward zu einer der erfolgreichsten Schriftstellerinnen geworden. Weltweit verkauften sich „Bis(s) zum Morgengrauen“, „Bis(s) zum Abendrot“ und die anderen Bücher der „Twilight“-Reihe weit über 100 Millionen Mal. Mehrere Jahre hat sich Meyer (42) Zeit gelassen, um einen neuen Roman zu veröffentlichen. Die lange Pause ist auch so etwas wie ein Zeichen für einen Neubeginn. Und tatsächlich hat der über 600 Seiten lange Thriller „The Chemist – Die Spezialistin“ kaum etwas mit den Vampirromanen gemeinsam. Jedenfalls auf den ersten Blick. Im Mittelpunkt des Romans steht eine junge Frau, die unter wechselnden Namen in Erscheinung tritt. Sie ist Spezialistin dafür, Menschen mithilfe von Chemikalien und Gewalt zu Aussagen zu bringen. Einige Zeit war sie mit ihrer Arbeit für eine namenlose geheime Regierungsorganisation ganz zufrieden, aber dann fiel sie einer behördeninternen Intrige zum Opfer und fürchtet seither um ihr Leben.

Als der Roman einsetzt, bereitet sie sich darauf vor, eine weitere Nacht zu überleben. Dazu gehört unter anderem, dass sie zum Schlafen eine Gasmaske anlegt. Dann bietet sich ihr ein Ausweg. Die Behörde, für die sie gearbeitet hatte, offeriert ihr ein Tauschgeschäft: Wenn sie noch ein letztes Mal mit ihren Methoden einen Verdächtigen zur Aussage bringt, würde ihr niemand mehr nach dem Leben trachten. Jetzt wird es erst richtig verworren. Der Lehrer, der angeblich daran arbeitet, ein tödliches Virus in Washington zu verbreiten, weckt ungeahnte Gefühle in der Frau, die ihn eben noch gefoltert hat. Mehr noch – trotz allem erwidert er diese Gefühle.

„The Chemist“ zieht actionreich quer durch die USA, von Texas nach Florida und weiter nach Washington. Dabei entwickelt sich der Roman so, dass er in die Kategorie klassischer Thriller passt, wie sie von Robert Ludlum, Kyle Mills oder Eric van Lustbader geschrieben wurden und werden. Aber es gibt einen gravierenden Unterschied. Denn neben der Thrilleraction nimmt die Romanze einen größeren Raum ein, als in klassischen Thrillern üblich ist. Hier ist Stephenie Meyer dann doch wieder die Schriftstellerin, die man von den „Twilight“-Romanen her kennt. So ist „The Chemist – Die Spezialistin“ kein klassischer Thriller, sondern vielmehr ein Liebesroman, der sich in einem Thriller verbirgt. Das Urteil darüber, ob diese Mischung gelungen ist, dürfte sehr unterschiedlich ausfallen.