Kultur

Auf den Spuren zurück

Katie Melua singt mit georgischem Frauenchor im Admiralspalast

Diese Melancholie, die war ja immer schon da. Aber jetzt, da hat sie sich breitgemacht. Ist in die Melodien und Texte eingesickert wie Regen in sumpfigen Grund. Dabei hat Katie Melua doch eigentlich versucht, sich neu zu erfinden. Zumindest ein bisschen.

Für ihr neues Album „In Winter“ hat sie in ihrer georgischen Heimat ein Pop-up-Tonstudio installiert, erzählt sie. Und sie hat singen gelernt. Nochmal. Klar, eigentlich kann sie das schon: Sechs Alben und dreizehn Jahre auf der Bühne liegen hinter ihr, Echos und eine Goldene Kamera. Aber für die siebte Platte wollte Melua eben etwas Neues versuchen. Deswegen sei sie in die Lehre des traditionellen „Gori Women’s Choir“ gegangen. Mit dem hat sie dann nicht nur ihre neuen Lieder eingesungen, sie hat den Chor auch gleich mit auf Tour genommen. Am Mittwochabend ist das Ensemble im Admiralspalast aufgetreten.

Das ist schon sehr sakral. Diese 23 Frauen, alle in wallenden schwarzen Kleidern, kaum Einzelheiten auszumachen, eine gigantische Gesangsfront. Und dann schreitet sie auf die Bühne, in einem weißen Spitzenkleid, das den Boden sachte berührt, aber den Rücken frei lässt, die schokoladenbraunen Haare von Scheinwerfern erleuchtet. Kaum hat sie ihre Akustikgitarre um die Schultern hängen, legt sie los. Auch wenn sie neue Gesangstechniken aus ihrer Heimat mitgebracht hat, Meluas helle, klare Stimme sticht unverkennbar aus dem Chorgesang hervor. Fast kommentarlos singt sie die zehn Stücke des neuen Albums: Während riesige Schneeflocken zu Boden rieseln, träumt Melua auf der Bühne von Weihnachten, Winter und, klar, Liebe.

Zwischendurch stimmt sie Folkloristisches an, georgische und ukrainische Volkslieder etwa und eine balladenartige Interpretation des Rachmaninov Stücks „All Night Vigil“. Das hat die 32-Jährige ihrem Opa gewidmet, der als Teenager nach Sibirien geschickt wurde. Es erinnere sie an das Glück, selbst ein ganz anderes Schicksal zu haben. Melua, die mit neun Jahren von Georgien nach Nordirland auswanderte und mit vierzehn weiter nach London zog, stülpt hier ihre Vergangenheit nach außen.

In der zweiten Hälfte spielt Melua den Mix der Genres, der sie populär machte. Blues ist zu hören, Jazz auch, Folk manchmal und Pop. Sie singt sich durch die vergangenen dreizehn Jahre. Vielleicht liegt es an der Bestuhlung des Saals, vielleicht an der Melancholie ihrer Winterlieder, erst da, fast zum Schluss, ist das Theater aufgetaut. Da schließt sie die Augen und lächelt, als sänge sie für sich – so wie früher.