Abschiedskonzert

Berlin feiert ein letztes Mal Status Quo auf der Bühne

Bye, Bye, Status Quo: Die gestandenen Rock-Arbeiter spielen in der Schmeling-Halle ein letztes Mal mit elektrischen Gitarren.

Francis Rossi, Richie Malone und John "Rhino" Edwards (v.l.)

Francis Rossi, Richie Malone und John "Rhino" Edwards (v.l.)

Foto: Getty Images / Redferns/Getty Images

Sie mögen sich. Das ist offensichtlich. Wie schon beim Berlin-Konzert vor drei Jahren haben die britischen Boogie-Rock-’n‘-Roller Status Quo wieder die Kollegen von Uriah Heep als Vorprogramm mitgebracht. Eine gute Stunde darf die 70er-Jahre-Rock-Legende, deren einzig verbliebenes Originalmitglied Gitarrist Mick Box ist, ihre großen Erfolge spielen, von „Gypsy Queen“ über „Lady In Black“ bis zu „Easy Living“.

Sänger Bernie Shaw, okay, er ist mittlerweile auch schon seit 30 Jahren dabei, tut den alten Liedern mit seinem schrillen Hardrock-Organ nicht wirklich gut. Doch die nahezu 7000 Besuchern, die am Montagabend den Weg in die Max-Schmeling-Halle gefunden haben, scheint das nicht groß zu stören. Sie feiern Uriah Heep, als wäre da schon der Hauptact auf der Bühne.

Rau, kantig, peitschend

Der kommt Punkt 21 Uhr, begleitet von einer elektrowabernden Ouvertüre, die den alten Quo-Hit „Pictures of Matchstick Man“ zitiert, ins Rampenlicht. Und, man könnte fast sagen wie gewohnt, eröffnen Status Quo mit Gitarrist und Sänger Francis Rossi an vorderster Front, mit dem mehr als 40 Jahre alten Partykracher „Caroline“ den Abend. Und doch ist diesmal alles anders.

Die Band spielt härter als in früheren Jahren. Der Sound ist rau, die Songs wirken kantiger, Rossi peitscht die Band förmlich durchs bekannte Repertoire. Es scheint, als wollten sie noch einmal alles geben. Ein letztes Mal. Denn diese Tour, die sich „The Last Night Of The Electrics“ nennt, ist auch ein Abschied. Es ist das letzte Mal, dass Status Quo mit lauten elektrischen Gitarren auf einer Berliner Bühne stehen.

Und schon jetzt fehlt eine der beiden Konstanten der Truppe. Der 66-jährige Gitarrist und Sänger Rick Parfitt, der während dieser Tournee im Sommer nach einem Auftritt im türkischen Antalya einen schweren Herzinfarkt erlitten hatte, ist raus. Er will auch nach seiner Genesung nicht mehr zu Status Quo zurückkehren. Der Gesundheit zuliebe. So fehlt Rossi sein Gegenpart.

Ein von Blues und Boogie getriebener Rock'n'Roll

Er und Parfitt waren seit den 70er-Jahren ein unschlagbares Gespann, das mit Gitarrenriffs und -soli um sich warf wie Laurel und Hardy mit ihren Pointen. Ein Paar, das sich blind verstand. Das sich auch gern mal anfrotzelte und piesackte wie ein altes Ehepaar. Das sich im Rampenlicht immer wieder aneinander hochschaukelte. Und das einen ureigenen, eingängigen, von Blues und Boogie getriebenen Rock’n’Roll kreierte, der von Kritikern stets belächelt und von den Fans geliebt wurde.

Der 67-jährige Francis Rossi plant, statt kräftezehrender Rockshows nur noch Akustikkonzerte zu geben. Aber da will Parfitt, wie er bereits bekundete, nicht mitmachen. Das war’s also. Das ist das Ende von Status Quo, wie wir sie kennen. Und mit einem fulminanten Konzert machen sie in der brodelnden Max-Schmeling-Halle klar, auf was die Fans zumindest live künftig verzichten müssen.

Der junge irische Gitarrist Richie Malone übernimmt nun Rick Parfitts Gitarrenparts. Bei den Stücken, bei denen Parfitt gesungen hat, springt Bassist John „Rhino“ Edwards in die Bresche. Keyboarder und Gitarrist Andy Bown und Schlagzeuger Leon Cave komplettieren die Mannschaft. „The Wanderer“ donnert gleich als zweites Stück des Abends mit wilder Wucht durch die Halle. Selbst eine Leichtigkeit wie „Something ‘bout You Baby I Like“ bekommt in dieser neuen Konstellation seine Ecken und Kanten. „Hello!“ ruft Rossi zur Begrüßung in den Saal, albert mit trocken britischem Humor mit dem Publikum, posiert wie gewohnt mit seiner grünen Telecaster, die er seit mehr als 50 Jahren unermüdlich spielt.

„Rocking All Over The World“ als fulminantes Finale

Das Repertoire ist breit gefächert. „Softer Ride“ von 1973 gibt es ebenso wie „Creepin‘ Up On You“ von 2002. Hits wie „Down The Dustpipe“, „Railroad“ oder „Again And Again“ werden in eines der gefürchteten Medley gepresst. Und zu dem 1970 als Single-B-Seite erschienenen „Gerdundula“ erzählt Rossi, dass das Stück in Bielefeld entstanden sei. „Da waren wir das erste Mal in Deutschland“, sagt er. „Und die einzigen Leute, die wir da kennen lernten, hießen eben Gerd und Ulla.“

Natürlich spielen sie auch das so unvermeidliche wie unnötige Bolland-&-Bolland-Desaster „In The Army Now“, gefolgt von einem ebenso unnötigen Schlagzeugsolo. Und grandiose Hits wie „Down Down“, „Whatever You Want“ und John Fogertys „Rocking All Over The World“, das durch Status Quo populär wurde und nun dieses fulminante Konzert nach 90 Minuten Dauer-Power als Finale krönt. Da stehen gestandene Rockarbeiter auf der Bühne. Working-Class-Heros, deren treues Publikum mit ihnen gealtert ist.

Nach der ersten Zugabe, dem folkloristisch angehauchten „Burning Bridges (On And Off And On Again)“ aus den späten Achtzigern wird zum endgültigen Abschied dem puren, klassischen Rock’n’Roll gefrönt. Chuck Berrys „Rock and Roll Music“ spielen sie und „Bye Bye Johnny“. Eine Legende wirft das Handtuch. Das Publikum feiert ein letztes Mal seine Helden. Das war’s also. Bye, Bye, Status Quo.