Kultur

Die Welt vor dem Untergang bewahren

In seinem neuen Tabaluga-Märchen lässt Peter Maffay die Freundschaft hochleben

Wenn der Altrocker zum Märchenerzähler wird, kommt er nicht auf seiner geliebten Harley-Davidson angebraust, sondern er sitzt in einer niedlichen Seifenkiste in Marienkäferoptik und hat einen kleinen grünen Drachen als Beifahrer: Seit Freitag macht Peter Maffay für fünf seiner neuen Tabaluga-Shows Station in der Mercedes-Benz-Arena. Und wie es sich für ein solches Familien-Highlight gehört, geht es in seinem jüngsten Rockmärchen nicht um Sex, Drugs und Rock ’n’ Roll, sondern um ein ebenso wichtiges wie unverfängliches Thema. „Es lebe die Freundschaft“ ist der Titel.

17 Lkw bringen die Ausstattung für die Show zur Halle

Allerdings, um es gleich zu sagen, ist die zur Aufführung gebrachte Geschichte nicht ganz so neu, wie man meinen könnte. Versatzstücke aus früheren Abenteuern des kleinen Drachens werden aufgegriffen und altbekannte Hits aufgewärmt – was der Stimmung aber keinen Abbruch tut. Die Leute lieben die Songs und können vieles mitsingen. Vor über dreißig Jahren kam das erste Tabaluga-Album heraus und beim Auftaktkonzert Anfang Oktober in Hamburg gab es Platin für die aktuelle Scheibe.

Dass Maffay angesichts diesen Erfolges sein Märchenonkeldasein noch nicht beenden wollte, kann man verstehen, obwohl er zwischenzeitlich ja schon vom Aufhören geredet hat. Nun ist er erst einmal auf seiner vierten Tabaluga-Tour. Gleich geblieben ist auch der traditionelle Grundplot, das heißt, es geht einmal mehr um den Konflikt zwischen Tabaluga und dem bösen Schneemann Arktos.

Da alles ein überraschendes Ende nimmt, wobei Arktos’ Tochter eine Rolle spielt, soll hier nicht zu viel verraten werden. Tabaluga verliert aufgrund der Machenschaften von Arktos jedenfalls zunächst sein Gedächtnis, kommt seinem Erzfeind später aber immer näher, als es gilt, gemeinsam die Welt vor dem Untergang zu bewahren. Ein Lava speiender Vulkan droht am Ende nämlich, Grün- und Eisland zu zerstören.

Doch zum Eigentlichen – zum Entertainment. Der Bühnenaufbau sorgt dafür, dass alle Zuschauer nah dran sind am Geschehen, wenn nicht gar mittendrin. Von der seitlichen Hauptbühne führt ein langer Laufsteg in die Mitte der Arena, wo sich das dramaturgische Zentrum befindet. An den drei zu den Tribünen hin gelegenen Seiten sind weitere Podeste aufgebaut und dergestalt wird im Grunde die ganze Halle bespielt. Man weiß oft nicht, wo man zuerst hinschauen soll, überall passiert etwas, sind Musiker, Schauspieler und Tänzer gleichzeitig in Aktion.

Überhaupt ackert die Tänzertruppe mächtig, um den Unterhaltungsfaktor nicht unter „krass“ sinken zu lassen. Skatende Kraken, rollschuhfahrende Hasen, Ameisenarmeen und Bienenschwärme, eine sudelige Schweinerotte, das Eisbärenheer des Arktos und so weiter und so fort – ein Großteil der beinahe zweihundertköpfigen Crew muss damit beschäftigt gewesen sein, Tänzerinnen und Tänzer im Minutentakt in neue Kostüme zu zwängen.

Technisch also alles perfekt, bei dieser bisher aufwendigsten Folge der Tabaluga-Serie. Die siebzehn Trucks, die mit dem Equipment der Show vollgeladen werden, lassen grüßen. Von Nebelschwaden bis zum Konfettiregen wird nichts ausgelassen. Nachdem er sein Gedächtnis wiedererlangt hat, testet Tabaluga in einem Überraschungsmoment sogar live seine wiedererlangten Fähigkeiten im Feuerschnauben.

Die Show kann sich mit prominenten Namen schmücken, als Homies aus Berlin verleihen zum Beispiel Culcha Candela und Tim Bendzko den Berliner Events Lokalkolorit. Maffay lädt häufig verschiedene, lokale Künstler ein und zollt so allerorten jungen Kollegen Tribut. Davon abgesehen darf Regisseur Rufus Beck nicht unerwähnt bleiben, der als Magier und Glückskäfer selbst mitspielt. Sein Sohn sprang übrigens für den erkrankten Heinz Hoenig ein und füllte dessen langjährige Paraderolle des bösen Arktos ebenfalls sehenswert aus.

Allen die Show aber stahl Uwe Ochsenknecht, der ebenfalls zur Stammbesetzung gehört. Als Pechvogel mit gebrochenem Bein und erst recht als bauchtanzende Kameliendame, die umgeben von einer Schar bildschöner Tänzerinnen ihre „schönsten Höcker im Orient“ besingt, sorgte er für beste Laune und den größten Szenenapplaus.