Mercedes-Benz-Arena

Peter Maffay feiert in seinem Rockmärchen die Freundschaft

Opulent und technisch perfekt: Die Tabaluga-Show von Peter Maffay in der Mercedes-Benz-Arena ist ein echtes Familien-Highlight.

 Tabaluga mit Peter Maffay

Tabaluga mit Peter Maffay

Foto: Hendrik Schmidt / ZB

Wenn der Altrocker zum Märchenerzähler wird, kommt er nicht auf seiner geliebten Harley-Davidson angebraust, sondern er sitzt in einer niedlichen Seifenkiste in Marienkäferoptik und hat einen kleinen grünen Drachen als Beifahrer: Seit Freitag macht Peter Maffay für fünf seiner neuen Tabaluga-Shows Station in der Mercedes-Benz-Arena. Und wie es sich für ein solches Familien-Highlight gehört, geht es in seinem jüngsten Rockmärchen nicht um Sex, Drugs und Rock’n’Roll, sondern um ein ebenso wichtiges wie unverfängliches Thema. „Es lebe die Freundschaft“ ist der Titel.

Allerdings, um es gleich zu sagen, ist die zur Aufführung gebrachte Geschichte nicht ganz so neu, wie man meinen könnte. Versatzstücke aus früheren Abenteuern des kleinen Drachen werden aufgegriffen und etliche altbekannte Hits aufgewärmt - was der Stimmung aber keinen Abbruch tut. Die Leute lieben diese Songs und können vieles mitsingen. Vor über dreißig Jahren kam das erste Tabaluga-Album heraus und schon beim Auftaktkonzert Anfang Oktober in Hamburg gab es Platin für die aktuelle Scheibe.

Dass Maffay angesichts diesen Erfolges sein Märchenonkeldasein noch nicht beenden wollte, kann man verstehen, obwohl er zwischenzeitlich ja schon vom Aufhören geredet hat. Nun ist er erst einmal auf seiner vierten großen Tabaluga-Tour. Gleich geblieben sind nicht nur viele Songs, sondern auch der traditionelle Grundplot, das heißt es geht einmal mehr um den Konflikt zwischen Tabaluga und dem bösen Schneemann Arktos.

Ein langer Laufsteg mitten in die Arena

Da alles ein überraschendes Ende nimmt, wobei Arktos’ Tochter eine Rolle spielt, soll hier nicht zu viel verraten werden. Tabaluga verliert aufgrund der Machenschaften von Arktos jedenfalls zunächst sein Gedächtnis, kommt seinem Erzfeind später aber immer näher, als es gilt, gemeinsam die Welt vor dem Untergang zu bewahren. Ein Lava speiender Vulkan droht am Ende nämlich, Grün- und Eisland beide zu zerstören.

Doch zum Eigentlichen, zum Entertainment. Der Bühnenaufbau sorgt dafür, dass alle Zuschauer nah dran sind am Geschehen, wenn nicht gar mittendrin. Von der seitlichen Hauptbühne führt ein langer Laufsteg in die Mitte der Arena, wo sich das dramaturgische Zentrum befindet. An den drei zu den Tribünen hin gelegenen Seiten sind weitere Podeste aufgebaut und dergestalt wird im Grunde die ganze Halle bespielt. Man weiß oft nicht, wo man zuerst hinschauen soll, überall passiert etwas, sind Musiker, Schauspieler und Tänzer gleichzeitig in Aktion.

Überhaupt ackert die Tänzertruppe mächtig, um den Unterhaltungsfaktor nicht unter ‚krass’ sinken zu lassen. Skatende Kraken, rollschuhfahrende Hasen, Ameisenarmeen und Bienenschwärme, eine sudelige Schweinerotte, das Eisbärenheer des Arktos und so weiter und so fort - ein Großteil der beinahe zweihundertköpfigen Crew muss damit beschäftigt gewesen sein, Tänzerinnen und Tänzer im Minutentakt in neue Kostüme zu zwängen.

17 Trucks mit Show-Equipment

Technisch also alles perfekt, bei dieser bisher aufwendigsten Folge der Tabaluga-Serie; die 17 Trucks, die mit dem Equipment der Show vollgeladen werden, lassen grüßen. Von Nebelschwaden bis zum Konfettiregen wird nichts ausgelassen; nachdem er sein Gedächtnis wiedererlangt hat, testet Tabaluga in einem Überraschungsmoment sogar live seine wiedererlangten Fähigkeiten im Feuerschnauben. Und selbstverständlich ist das Licht perfekt arrangiert. Großflächige Projektionen, die das Publikum häufig als verlängerte Leinwand nutzen, lassen vor dessen Augen verschiedene Welten erstehen, das schneeverhangene Eisland, das vor Blütenpracht strotzende Grünland und sogar eine Unterwasserwelt mit Fischen und dahinglucksenden Quallen.

Die Show kann sich mit prominenten Namen schmücken, als Homies aus Berlin verleihen zum Beispiel Culcha Candela und Tim Bendzko den Berliner Events Lokalkolorit. Maffay lädt häufig verschiedene, lokale Künstler ein und zollt so allerorten jungen Kollegen Tribut. Davon abgesehen darf Regisseur Rufus Beck nicht unerwähnt bleiben, der als Magier und Glückskäfer selbst mitspielt. Sein Sohn sprang übrigens für den erkrankten Heinz Hoenig ein und füllte dessen langjährige Paraderolle des bösen Arktos ebenfalls sehenswert aus.

Szenenapplaus für Uwe Ochsenknecht

Allen die Show aber stahl Uwe Ochsenknecht, der ebenfalls zur Stammbesetzung gehört. Als Pechvogel mit gebrochenem Bein und erst Recht als bauchtanzende Kameliendame, die umgeben von einer Schar bildschöner Tänzerinnen ihre „schönsten Höcker im Orient“ besingt, sorgte er für beste Laune und den größten Szenenapplaus.

Man hat andernorts die mangelnde dramaturgische Stringenz dieser Show bemängelt, allein stellt sich die Frage, wer darauf überhaupt spekuliert. Wer die früheren Tabaluga-Shows tatsächlich deswegen mochte, sollte vielleicht vorgewarnt sein, alle anderen dürfen sich auf eine fast klassische und unterhaltsame Revue freuen. Viele tolle Songs, die mit einer banalen Rahmenhandlung eben irgendwie zusammengehalten werden.

Doch das ist zweitrangig, denn die Opulenz und der Fantasiereichtum dieses Abends machen eventuelle inhaltliche Mangelerscheinungen leicht vergessen. Insbesondere die Choreografen und Kostümdesigner durften sich so richtig austoben und haben dafür große Anerkennung verdient. Bei fünfzig Darstellern in je mehreren Rollen und 160 handgefertigten Kostümen ist es im Ergebnis einfach unmöglich, sich zu langweilen. Nach dieser weit über zweistündigen Vorstellung ging deswegen wohl kaum jemand unzufrieden nach Hause.