Konzert-Kritik

Coole Partyband, aber leider am falschen Ort

Jüdische Kulturtage: Jewdyssee in der Synagoge Rykestraße

Hat das jiddische Liedgut für Nachwuchsmusiker ausgedient? Ganz und gar nicht. Es muss nur ins Heute geholt werden, „clubiger“ werden, wie die Sängerin Maya Saban am Donnerstag gleich zu Beginn ihres Konzertes bei den Jüdischen Kulturtagen in der Synagoge Rykestraße erklärte. Gerade war der Song „Cabaret“ aus den Boxen geschallt, der erste Electroswing des Abends und das dancefloortaugliche Genre, dem sich die Berliner Band Jewdyssee verschrieben hat. Sie stählen seit Generationen beliebte jiddische Lieder für das Nachtleben der Großstadtjugend, peppen berühmte Klassiker wie „Mayn Shtetele Belz“ oder „Bei mir bist du schejn“ mit Electrobeats und Swingelementen auf. Neben einer versierten Sängerin braucht es dazu zwei hervorragende Bläser, einen Schlagzeuger, einen Gitarristen und vor allem einen DJ.

Aber konterkariert die Ästhetik des zeitgenössischen Clubsounds nicht die eines Gebetsraumes? Stehen streng ausgerichtete harte Holzbänke nicht im wahrsten Sinne quer zur Dynamik einer Musik, bei der sich Körper frei hin und her bewegen wollen? Getanzt werden kann sowieso nur in den Gängen, und das, was dazu anregen soll, klingt in der Synagoge ziemlich schwammig, sobald DJ und Schlagzeug aufdrehen und die fett produzierten Beats aus den Boxen dröhnen. Knackige Basslinien verschwimmen, treibende Beats verpuffen.

Anders verhält es sich bei ein, zwei ruhigeren Songs; Höhepunkt ist ganz sicher der Evergreen „My Yiddishe Mamme“. Hier kommt Sabans eindrucksvolle Stimme zur maximalen Geltung, voll und soulig, in den richtigen Momenten leicht angequetscht. Begleitet nur von einer sparsamen Akustikgitarre trägt der Klang plötzlich, füllt der Nachhall den riesigen Raum, angetan, den Zuhörern wohlige Schauer über den Rücken zu schicken.

Sympathischerweise ignoriert Sängerin Saban die fragenden Gesichter nicht, die sie im Publikum ausmacht. Vor allem einigen älteren Besuchern sieht sie offensichtlich an, wie sie mit den burschikosen Remakes von traditionellem Liedgut hadern. Andere tanzen bereits am Rande, aber überzeugt von ihrem Konzept will Saban wirklich jeden ansprechen und mitreißen. Dafür bekommt sie den verdienten Applaus und moderiert sich gut gelaunt durch den allerdings recht kurzen Abend. Fazit: Jewdyssee sind eine wirklich coole Partyband, aber für Synagogen ist ihre Musik nicht gemacht.