Ausstellung

Hieronymus Boschs Dämonen in der Gemäldegalerie

Sonderausstellung zum 500. Todesjahr des berühmten Malers. Das Kupferstichkabinett hat einen herausragenden Bestand an Zeichnungen.

Eine Besucherin der Gemäldegalerie betrachtet in der Ausstellung "Hieronymus Bosch und seine Bildwelt im 16. und 17. Jahrhundert" die Rückseite des Werks "Johannes auf Patmos“,  um 1500 entstanden

Eine Besucherin der Gemäldegalerie betrachtet in der Ausstellung "Hieronymus Bosch und seine Bildwelt im 16. und 17. Jahrhundert" die Rückseite des Werks "Johannes auf Patmos“, um 1500 entstanden

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Eulen, splitternackte Hörnerwesen und Fratzen: Mehr Hieronymus Bosch, der am 9. August 1516 starb, geht nicht. Das Noordbrabants Museum in ’s-Hertogenbosch machte den Anfang. Im Sommer richtete ihm dann der Prado eine umwerfende Jubiläumsschau ein. Ein regelrechter Bilderstreit entbrannte im Vorfeld zwischen den beiden Museen. Ein ungleicher Wettbewerb: Der Prado besitzt die meisten Werke, Boschs Heimatstadt dagegen kein einziges. Nur 25 Ölgemälde überhaupt gelten als gesichert von des Meisters Hand. Verständlich, dass da Berlin nicht mehr der große Wurf gelingen konnte.

So konzentrieren sich Gemäldegalerie und Kupferstichkabinett in zwei Sälen auf den eigenen Bosch-Bestand – und auf Wiederholungen, also Kopien von Zeitgenossen, die im 16. und 17. Jahrhundert hochgeschätzt waren. Man nennt es das Bosch-Phänomen: Seine Motive waren damals en vogue, die europäischen Herrscherhäuser liebten das groteske Treiben auf seinen Bildern. Bosch wurde also in höchster Qualität kopiert. Im Mittelpunkt steht auf einem hohen Sockel der doppelseitig bemalte „Johannes auf Patmos“ – Berlins einziges Bosch-Gemälde. Gleich daneben, Lucas Cranachs „Weltgericht“ – es zeigt detailgetreu die Auseinandersetzung mit Boschs dämonischem Personal.

Das Kabinett bleibt den wunderbaren, exquisiten Zeichnungen vorbehalten, die selten ausgestellt sind. Virtuos in der Federführung; Licht, Schatten, verdichtete Schraffuren – hier wimmelt es von grotesken Figuren und Fantasielandschaften im Gefolge Boschs. Ein Manko gibt es: Die Blätter sind so lichtempfindlich, dass sie im Turnus von zwei, drei Wochen gegen andere Motive ausgetauscht werden müssen. In diesem Fall ein Gewinn – man darf wiederkommen und sich erneut vertiefen in das zeichnerisches Universum.

Gemäldegalerie, Matthäikirchplatz, Tiergarten. Di–Fr 10–18 Uhr, Do bis 20 Uhr, Sa und So 11–18 Uhr. Bis 19.2.2017. Katalog: 19,95 Euro