Kultur

Schmerzenslieder zum Tanzen

Die britische Rockband Placebo um Sänger Brian Molko feiert mit einer opulenten Best-of-Revue in Friedrichshain ihr 20-jähriges Bestehen

Man kann sicher vieles in dieser Mehrzweckhalle veranstalten. Aber eine Geburtstagsfeier? Darauf muss man erst mal kommen. Nun, so eine richtige Feier wird es dann auch nicht, als die britische Rockband Placebo am Montagabend aus Anlass ihres 20-jährigen Bestehens zum Jubiläumskonzert in die Mercedes-Benz Arena lädt. Denn über weite Strecken erlebt man einfach eine gute Band, die sich so routiniert durch ihre eigene Vergangenheit gräbt.

Bevor Placebo um den androgynen Sänger und Gitarristen Brian Molko die Bühne entern, läuft auf der gewaltigen Bildwand im Bühnenhintergrund und zwei Leinwänden links und rechts der Bühne zunächst das Video zu „Every You, Every Me“, jenem Song von 1999, mit dem Placebo auch in Deutschland den Durchbruch schafften. In der bestens gefüllten, wenn auch nicht ausverkauften Halle bricht lautstarker Jubel los, als Gitarrist Stefan Olsdal und Brian Molko, unterstützt von mehreren Musikern, darunter auch dem neuen Schlagzeuger Matt Lunn, den Abend mit dem sofort lospreschenden „Pure Morning“ von 1998 eröffnen. Ein erster von zahlreichen Hits an diesem Abend.

Mit dem neueren Stück „Loud Like Love“ nehmen sie weiter Fahrt auf. Ein Bassist, ein Gitarrist und die Keyboarderin und Geigerin Fiona Brice stärken Molko und Olsdal den Rücken. Brian Molko legt viel Emotion in seine hohe, klare, kräftige Stimme. Der Showaufwand ist enorm. Über die Bildwand werden die Songs illustriert, von der Decke fahren fünf Lichttraversen auf und ab, an deren Ende weitere Projektionsflächen montiert sind. Der Sound allerdings ist wenig berauschend. Es knarzt, es wummert, es hallt. Molko macht vieles mit seinen pompösen, schwermütigen Schmerzensliedern wieder wett.

Das wunderbare „Too Many Friends“ spielen sie und das aufbrausende „Devil in the Details“. Das kraftvoll-finstere „Space Monkeys“ gibt es, und irgendwann in der zweiten Hälfte unterbricht Brian Molko das Konzert und weist einen rüpelnden Besucher vor der Bühne zurecht. Später entschuldigt er sich für seinen kleinen Ausbruch und sagt: „Ich will einfach nicht sehen, wie Leute da unten andere Leute rüde herumschubsen. Sorry.“

Die live härter gespielten Stücke sind von einer Qualität, die mit dieser etwas konzeptlos wirkenden Hitrevue letztlich wieder versöhnen. „Machen wir ein bisschen Spaß! Ja, Berlin?“ ruft Molko ins Publikum. Und sie hämmern im blendenden Lichtgewitter „For What It’s Worth“ und „Special K“ in die Halle. Die Fans feiern ihre Helden und bekommen als Grand Finale „The Bitter End“, jene 2003 erschienene Hommage an George Orwells Roman „1984“, serviert.

Mehr als zwei Stunden stehen Placebo auf der Bühne und greifen für die Zugaben mit „Teenage Angst“ und „Nancy Boy“ noch einmal tief in die 90-Jahre-Erinnerungskiste. Es ist schon 23.30 Uhr, als es mit der Kate-Bush-Coverversion „Running Up That Hill“ ins definitive Finale geht.