Film

Woody Allen zwischen Ost- und Westküste hin- und hergerissen

Der Meister ist New-York-Neurotiker. Nie zog es ihn nach Hollywood. Mit 80 hat er dort doch noch einen Film gedreht: „Café Society“.

Foto: Warner Bros. / picture alliance / dpa

Er ist 80 Jahre alt, und doch ist Woody Allen so kreativ und unermüdlich wie immer. So verlässlich, wie er jeden Montag im New Yorker Café Carlyle mit der Eddy Davie New Orleans Jazz Band ein Konzert gibt, so verlässlich kommt von ihm ein Film pro Jahr ins Kino. Nein, in diesem Jahr war Woody Allen sogar noch etwas kreativer: Mit „Crisis in Six Scenes“ hat er seine erste Serie gedreht, nicht etwa fürs Fernsehen, sondern für die neuen Medien, für Amazon. Mit Miley Cyrus, dem Star der ganz Jungen, in den Hauptrollen.

Nie schien Allen so topaktuell, so jung, so dem Neuen zugewandt. Und doch hat er von Anfang an gestöhnt, wie schwer die Produktion sich hingezogen habe, dass er keine Ideen hätte und sicher sei, dass das Ganze in einer Katastrophe ende. So schlimm ist es zwar nicht geworden, aber tatsächlich war „Crisis“, der kürzlich gestartet ist, kein großer Erfolg beschieden. Allen wird wohl nie wieder in Serie gehen.

Ein Woody Allen mit lauter Jas und Neins

In „Café Society“, der am Donnerstag ganz traditionell auf die große Leinwand kommt, bewegt sich der Altmeister dagegen wieder in vertrautem Terrain. Aber was heißt vertraut? Allen-Werke unterscheidet man inzwischen in solche, in denen er mitspielt oder nicht. Die in New York spielen oder nicht. Die komisch sind oder nicht. „Crisis in Six Scenes“ war in dieser Hinsicht ganz klassisch. Selten genug, dass Allen noch persönlich vor der Kamera steht, hat er wieder in seiner Heimat gedreht. Und komisch war das auch.

Bei „Café Society“ ist dagegen alles Ja und Nein. Der Film spielt in New York, aber auch in Los Angeles. Woody Allen ist mit dabei, aber nur in der Originalversion, als Stimme aus dem Off. Und der Tenor ist trotz etlicher Gags eher ein lakonisch-wehmütiger.

Dass „Café Society“ in Los Angels beginnt, da wo Allen selber nie hin wollte, ist nicht ohne Ironie. Ein junger New Yorker, Bobby Dorfman (Jesse Eisenberg), steht in den 30er-Jahren eines Tages vor der Protztür seines Onkels Phil (Steve Carrell), einem mächtigen Hollywood-Agenten. Der Neffe möchte bei ihm arbeiten, der Onkel hat aber keine Zeit für ihn. Und bittet seine Sekretärin Vonnie (Kristen Stewart), sich um ihn zu kümmern. Prompt verliebt sich der junge Mann in das Mädchen, nicht ahnend, dass es ein Verhältnis mit seinem Onkel hat.

So entspinnt sich eine schwierige Dreieckskonstellation, die keine Zukunft hat. So dass der Junge enttäuscht nach New York zurückkehrt, dort mithilfe eines mafiotischen Bruders einen Nachtclub aufzieht und selbst zu einem Mann der High Society wird, schöne Gattin (Blake Lively) inklusive. Bis dort eines Abends der Onkel mit seiner großen alten Liebe auftaucht.

Das Leben, heißt es an einer Stelle, ist eine Komödie, geschrieben von einem sadistischen Autor. Wenn dem so ist, muss Woody Allen wohl ein Sadist sein. Wie so oft bei ihm verwirren und verirren sich die Herzen tragikomisch und unwiederbringlich. Jesse Eisenberg tut sich dabei als Allens Alter Ego deutlich besser als in „To Rome With Love“ vor vier Jahren und kopiert die spillerigen Bewegungen und Wortverhaspler des Meisters bis ins Kleinste.

Nur leider: So regelmäßig Woody Allen neue Filme dreht, gelingt ihm immer seltener ein wirklich großer Wurf. Auch „Café Society“ ist eher ein kleineres Opus. Mit tollen Darstellern und tollen Dialogen. Aber auch mit vielen Handlungsfäden, die lose in der Luft hängen und nicht zum Ende kommen. Doppelt schade, wo Woody Allen doch einmal in dem von ihm verachteten Hollywood gedreht hat. Da hätte man sich schon ein paar böse Seitenhiebe auf die Traumfabrik gewünscht. Stattdessen überwiegen sonnendurchflutete Bilder und gediegene Sentimentalität. Vielleicht ist es auch einfach Altersmilde.