Kultur

Diesmal stehen die Musiker als Solisten im Mittelpunkt

Festkonzert zum 70-jährigen Bestehen des DSO

Zum Jubiläumskonzert anlässlich 70 Jahren Deutsches Symphonie-Orchester (DSO) würdigt der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) das Orchester in der Philharmonie als bedeutenden Kulturbotschafter. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) beschwört die verbindende Kraft der Musik. Der erste Teil des Konzerts verfolgt dann eine ungewöhnliche Idee: Ganz anders als üblich stehen einmal die Musiker als Solisten im Mittelpunkt. Außerdem hat jedes Werk eine Bedeutung in der Orchestergeschichte.

Arnold Schönbergs Kammersymphonie Nr. 1 ist ein selten gespielter Meilenstein der Moderne. In Haydns Sinfonia concertante stehen Viola Wilmsen (Oboe), Karoline Zurl (Fagott), Wei Lu (Violine) und Mischa Meyer (Cello) vor ihrem Orchester. Die Musiker spielen in kleiner und großer Runde abwechslungsreich in ständig wechselnden Konstellationen. Dabei verlangt Haydn nicht nur dem Geiger, sondern auch der Fagottistin Virtuosenkünste ab.

Mikhail Pletnev, der seit den 70er-Jahren als Pianist international unterwegs ist, gibt sein spätes DSO-Debüt mit Schumanns Klavierkonzert. Am Anfang klappert es noch gewaltig zwischen dem Solisten und dem Orchester. Mit der heftig extemporierenden romantischen Seele des Pianisten hat es das DSO nicht ganz leicht. Entspannt und von allen Zwängen frei streift Pletnev über die Tasten. Das Orchester fügt sich in die Begleiterrolle. Die Zwiesprache zwischen Flügel und Orchestersolisten fällt recht flach aus. Als Zugabe spielt Pletnev Liszts versonnenen „Liebestraum“.

Kent Nagano hat in seiner Zeit als Chefdirigent mehr Farbe und Akkuratesse ins Orchesterspiel gebracht. Beides führt er an diesem Jubiläumsabend mit Ravels „La Valse“ eindrucksvoll vor. Das Orchester gestaltet einen wilden Tanz auf dem Vulkan, ohne zu vergessen, dass der Komponist dabei nicht so sehr die Zerstörungen des Ersten Weltkriegs, sondern trotzige Lebensfreude im Sinn hatte.