Kino

Action von der Stange: „Jack Reacher 2“ mit Tom Cruise

Der erste Teil um den großen Einzelkämpfer fiel durch. Im zweiten Teil bekommt Jack Reacher deshalb eine Ersatzfamilie: Vater Mutter Kind.

Müssen Hand in Hand ermitteln: Der Ex-Militär Jack Reacher (Tom Cruise) und seine Nachfolgerin, Major Sarah Turner (Cobie Smulders)

Müssen Hand in Hand ermitteln: Der Ex-Militär Jack Reacher (Tom Cruise) und seine Nachfolgerin, Major Sarah Turner (Cobie Smulders)

Foto: Paramount/Chiabella James / Paramount

Ist Tom Cruise am Ende? Gleich in der Pilotfolge seiner neuen Comicserie „The Preacher“ lässt Seth Rogen Tom Cruise explodieren. Und kommentiert das mit „Emotion impossible“. Was sagt das über die Halbwertszeit des Stars? Auch in seinem eigenproduzierten Film „Jack Reacher: Kein Weg zurück“ gerät Cruise mächtig unter Beschuss, wobei er aber in jeder Szene unter Beweis stellt, dass er noch seinen Mann stehen kann.

Mit einer Fortsetzung von „Jack Reacher“ hat man eigentlich schon nicht mehr gerechnet. Der erste Film sollte vor vier Jahren nach „Mission: impossible“ die zweite Action-Kinoreihe für Cruise einleiten. Die Kritiken und Einnahmen fielen aber so enttäuschend aus, dass man eine Fortsetzung erst mal auf Eis legte. Nun kehrt der knallharte, ohne Wohnsitz und Besitz durchs Land ziehende Ex-Militärermittler aus Lee Childs Kultromanen doch zurück. Und hat gleich anfangs einen spektakulären Auftritt, wenn ein Polizist ihn verhaften will und stattdessen selbst abgeführt wird.

Dann aber will Reacher die Frau, die seine Nachfolgerin ist, mit der er bislang aber nur telefonisch in Kontakt stand, kennen lernen. Und muss feststellen, dass Major Sarah Turner (Cobie Smulders) zwischenzeitlich im Militärgefängnis sitzt, angeblich wegen Hochverrats. Auch Reacher gerät bald unter Mordverdacht: Sie sollen wohl beide ausgeschaltet werden. Zudem wird noch eine Vaterschaftsklage gegen Reacher angestrengt, weil er vor 16 Jahren eine Kellnerin geschwängert haben soll.

Kurzerhand lauert Reacher der widerborstigen Kleinkriminellen Samantha (Danika Yarosh), die seine Tochter sein soll, auf, bevor seine Gegner sie als Druckmittel gegen ihn benutzen können. Und er befreit Sarah Turner aus dem Hochsicherheitstrakt. Um gemeinsam eine Verschwörung innerhalb der US Army aufzudecken.

Jack Reacher ist eigentlich ein soziophober Einzelgänger. Da aber wohl genau das den Misserfolg von Teil Eins ausmachte, hat man sich nun an das 18. Buch der Thrillerreihe gemacht, das gerade erst auf Deutsch erschienen ist („Die Gejagten“). Weil hier dramaturgisch das älteste aller Sandkastenspiele durchgespielt wird: Vater, Mutter, Kind. Wobei sich die beiden Erwachsenen als Running Gag ständig streiten, wer auf das Kind aufpassen muss, während der andere undercover ermitteln darf, das Mädchen sich der Kontrolle aber immer wieder entzieht.

Regie führte nicht mehr, wie beim ersten „Jack Reacher“, Cruises Intimus Christopher McQuarrie. Der hat parallel mit ihm an „Mission: impossible – Rogue Nation“ gearbeitet. Stattdessen übernahm Edward Zwick, mit dem Cruise schon „Last Samurai“ gedreht hat. Ein Routinier, der soliden, knalligen Suspense zu liefern weiß – auch wenn dabei keine eigene Handschrift zu erkennen ist. Action von der Stange.

„Jack Reacher“ ist ein reines Cruise-Vehikel und will auch nicht mehr sein. Darunter leidet die Besetzung. Cruise wollte offenbar keinen Ko-Star neben sich dulden, der ihm die Schau stehlen könnte. So sind sowohl seine Mit- als auch seine Gegenspieler weithin unbekannt – und austauschbar. Ein Coup wie in Teil Eins, wo der deutsche Regisseur Werner Herzog den Schurken gab, fehlt schmerzlich.

Cruise ist aber auch der größte Special Effect des Films. Der inzwischen 54-Jährige muss ständig rennen, springen und kämpfen. Das gelingt ihm zwar mit einer gewissen Verbissenheit, aber man sieht doch, dass er allem Training zum Trotz etwas in die Jahre kommt. Deswegen ist sein größter Gegner auch kein Bösewicht, sondern – das Alter. Das merkt man umso mehr, wenn er ständig gegen Jüngere kämpfen muss, allen voran gegen einen dubiosen Killer, der bei weitem agiler, fitter und ausdauernder wirkt. So muss man sich, nicht so drastisch wie Seth Rogen, aber dennoch fragen: Kommt Tom Cruise an ein Ende?