Kultur

Andrej Hermlin lässt die Zeiten des Swing aufleben

„Jews in Jazz“ zur Eröffnungder Jüdischen Kulturtage

Ein Riesenandrang herrscht zur Eröffnung der Jüdischen Kulturtage. Was bereits am Eingang zur Synagoge Rykestraße an einem kleinen Detail zu erkennen ist. Als Kopfbedeckung sollen die Männer in der Synagoge eine Kippa tragen. Am Eingang liegt deshalb immer ein Stapel bereit für alle, die ihre vergessen haben oder als Nichtjuden keine besitzen. Der Korb ist am Sonnabend leer – 1100 Menschen sind zum Auftakt „Bei mir bist du schoen – Jews in Jazz“ mit Andrej Hermlin und dem Swing Dance Orches­tra gekommen. Es ist ein beschwingter Start in die Kulturwoche.

Der jiddische Song „Bei mir bist du schoen“ kommt allerdings erst ganz am Ende des zweistündigen Eröffnungsabends. Und Andrej Hermlin kündigt die virtuose Fassung von Benny Goodman an. 1938 war Goodman, Sohn jüdischer Immigranten, in der New Yorker Carnegie Hall aufgetreten. Der Bandleader und Pianist Andrej Hermlin liebt solche Geschichten, er erzählt auf elegante Art und Weise darüber und lässt mit seinen Musikern diese Zeiten aufklingen. Hermlins Swingtruppe hat verschiedene Programme im Repertoire, die sich um die Tradition der 30er- und 40er-Jahre drehen, aber diesmal geht es insbesondere um Juden, die den Jazz geprägt haben.

Im Eröffnungskonzert schwingt es zwischen den USA, Deutschland und der Sowjetunion hin und her. Es handelt sich um die verführerischsten und zum Teil heute noch vertrauten Melodien von Gershwin und Kern, Heymann und Kok und Utjossow Tsfasman. Hermlin lässt die Musik in den Originalarrangements amerikanischer, deutscher und sowjetischer Orchester der 30er- und 40er-Jahre spielen, es wird in Landessprache gesungen. Etwas zurückgelehnt mag man schon nationale Eigenheiten ausmachen.

Der Abend offenbart auch etwas sehr Privates, nämlich wie in der Familie Hermlin die Tradition durchgegeben wird. Großvater Stephan Hermlin war in der DDR einer der bekanntesten Schriftsteller. Sein Sohn Andrej überraschte ihn einmal, wie er im Arbeitszimmer „Heaven“ grölte, den Song kannte er aus dem Exil. Im Eröffnungskonzert singt Enkel David Hermlin, ein vielversprechendes Showtalent, den Titel, den einst Fred Astaire berühmt machte. Der Jubel am Ende des Konzerts ist groß.