Kultur

Red Hot Chili Peppers spielen ein durchwachsenes Konzert

Michael Balzary alias Flea, Bassist der Red Hot Chili Peppers, kommt zur letzten Zugabe im Handstand, läuft, die Beine in der Luft, einmal quer auf Händen über die Bühne. Seine Haare millimeterkurz und gelb, die Klamotten flickenbunt. Er sieht aus wie eine Comicfigur, wie ein durchgeknallter Clown. Solch zirkushafte Energie hatte man sich versprochen von einem Auftritt der Red Hot Chili Peppers.

Die Peppers aus Los Angeles waren in den 90er-Jahren eine wirklich gute und einflussreiche Band. Klar war immer, dass es bei den Peppers nicht um sehr tiefgründige Songs ging, um Seelenerkundungen oder ausgereifte politische Statements, sondern vor allem um – wie ihr immer noch bestes Album von 1991 programmatisch heißt – „Blood Sugar Sex Magik“.

Wie lebt man mit so einem Image wenn man die 50 überschritten hat? Man zieht auf jeden Fall während des Konzerts irgendwann das T-Shirt aus, zeigt seine Muskeln, seine Tattoos. Ehrensache. Sänger Anthony Kiedis hat sich, muss man zugeben, für seine 54 Jahre verdammt gut gehalten.

Zwölf Minuten lang jammt die Band gleich zu Beginn, funkt rum auf einem Akkord, als säße die fast ausverkaufte Mercedes-Benz Arena zufällig im Proberaum der Peppers. Immer wieder, über den Abend verteilt, spielen Flea und Gitarrist Josh Klinghoffer kleine Duo-Einsprengsel. Dicht bei einander stehen sie dann, Stirn an Stirn, und dengeln und jaulen, als wären sie allein auf der Welt. Das sind die Highlights, Momente von purem Spaß an der Musik.

Ein Großteil der Show besteht jedoch aus Songs des aktuellen Albums „The Getaway“, und die klingen doch arg glatt. Der Titeltrack, „Dark Necessities“ oder „Goodbye Angels“ sind reine Popsongs, die niemandem wehtun. Nicht wirklich zündende Mitsingrefrains, dazwischen Routine-Funk und ein paar Breaks aus dem Peppers-Lehrbuch. Fleas koboldiges, akrobatisches Durch-die-Gegend-Hüpfen wirkt in so viel Radiotauglichkeit ein wenig verloren. Erfrischend ist da nur „Sick Love“, das klingt, als hätten die Peppers einen Country-Song gecovert, den ihnen jemand morgens um vier in irgendeiner Kaschemme am Stadtrand von Nashville vorgespielt hat. Auch einige Hits aus anderen Karrierephasen klingen an diesem Abend harmlos. Alles gut gemacht, keine Frage, aber letztlich doch bloß Feel Good Music, die genauso bei H&M laufen könnte.