Mein Film

Das Kino hat Jean Paul Gaultier zu seiner Kunst inspiriert

Der Modemacher Jean-Paul Gaultier stellt in Berlin seinen Lieblingsfilm vor. Und weiß dabei Pikantes über Prince auszuplaudern.

Jean Paul Gaultier (r.) mit Iris Berben und Christian Berkel Freitag Abend in der Astor Film Lounge, wo er „Das fünfte Element“ vorstellte

Jean Paul Gaultier (r.) mit Iris Berben und Christian Berkel Freitag Abend in der Astor Film Lounge, wo er „Das fünfte Element“ vorstellte

Foto: Deutsche Filmakademie/ e.V. Florian Liedel

Es ist keinen Monat her, dass Jean Paul Gaultier im Friedrichstadt-Palst die Premiere von „The One Grand Show“ mit seinen Kostümen feierte - schon war er wieder in Berlin. Um am Sonnabend die Aids-Gala zu besuchen. Und schon am Freitag ins Kino zu gehen. Natürlich nicht in irgendeines. Die Deutsche Filmakademie lud einmal mehr zu ihrer schönen Reihe „Mein Film“, in der Prominente wie Angela Merkel, Peer Steinbrück und David Chipperfield ihre Lieblingsfilme vorstellen.

Nun also der ewig peppige Modefürst. Der, nicht ganz uneitel, einen Film vorstellte, bei dem er selbst die Kostüme entwarf: „Das fünfte Element“ von Luc Besson. Der vielleicht poppigste, schrägste und abgefahrenste Science-Fiction-Film. Für den es schrill-futuristische Outfits brauchte, wie sie vielleicht wirklich nur Gaultier entwerfen konnte.

Eine anekdotenreiche Plaudertasche

Selten waren Tickets für die Astor Film Lounge so schnell verkauft. Es gab sowieso nur wenige – weil die Filmakademiker selbst so zahlreich kamen wie nicht mal bei der Kanzlerin. Vor dem Film begrüßt erst mal Akademie-Präsidentin Iris Berben den Gast aus Paris. Und sie ist sichtlich aufgeregt. Erklärt, dass Gaultier eine wichtige Rolle in ihrem Leben gespielt habe. Weil sie in ihren Anfängen in den 70er-Jahren einen Großteil ihrer – damals sicher noch nicht üppigen Gage – in Pariser Boutiquen für Kostüme von Gaultier ausgegeben hat. Auch für den Abend hat sie sich gaultier-stylish in Schale geworfen.

Dann ist erst mal der Film zu sehen. Der nun auch schon fast 20 Jahre alt ist, aber noch immer ganz frisch wirkt. Während die meisten Science-Fiction-Filme, gerade weil sie eine Zukunft entwerfen sollen, nur eine kurze Halbwertszeit haben. Und dann kommt Gaultier, von Christian Berkel begleitet, der moderieren soll, aber letztlich nur ein paar Stichwörter in den Raum werfen kann.

Denn Gaultier redet wie ein Wasserfall, als ob er auf den Zug müsste, aber noch ganz viel erzählen will. Eine Plaudertasche, ein wahrer Partyknaller, dem man amüsiert lauscht ob seinem punkt-und-komma-losen Anekdoten, auch wenn man seinem Englisch durch den starken französischen Akzent nicht immer folgen kann und den Meister, der bei den Dreharbeiten 45 war und jetzt 64 ist, manchmal das Gedächtnis im Stich lässt.

Aber was er zu erzählen hat, hat es in sich. Er hat Luc Besson damals blind zugesagt, einfach weil er seine Filme liebte. „Das fünfte Element“ sollte anfangs noch ein Star-Vehikel mit Julia Roberts und Mel Gibson werden und einem großen Auftritt von Prince. Für sie hat er denn auch eigentlich die Kostüme entworfen. Dann aber lag das Projekt erst mal auf Eis. Und am Ende war Bruce Willis der Star und Julia Roberts durch Milla Jovovich ersetzt, die damalige Muse Bessons, die damit ihren Durchbruch erlebte. Dass Prince nicht mitspielte, daran ist aber womöglich Gaultier schuld.

Prince verstand nur „Fuck you“

Er zeigte seine Entwürfe kurz vor einem Konzert des Popstars in Paris. Da dem damals Locken bis tief ins Gesicht hingen, hat Gaultier damit in den Outfits gespieltt, mit Haarbüscheln in den Achseln, auch im Schambereich. Und dann wollte er ihm auch noch einen falschen Schwanz anhängen, einen „faux queue“. Prince verstand nur „Fuck you“. Und das war’s dann. Die Rolle spielte stattdessen Chris Tucker. Wenn man die Hintergründe weiß, kann man nicht anders, als dessen Darbietung als einzige Prince-Parodie zu sehen.

Eigentlich ist es schmerzlich schade, dass Gaultier nur ganz selten fürs Kino gearbeitet hat. Und dass, wo er doch nur über den Film zur Mode kam. Weil er, noch als kleiner Junge, einen alten Film über einen Modemacher gesehen hat: „Falbalas“ von 1945. Nicht im Kino, nur im Fernsehen. Aber das war ein Erweckungserlebnis für ihn. Fortan wollte er genau das und nichts anderes machen.

„Das fünfte Element“ gilt als Luc Bessons Meisterwerk. Könnte, fragt Christian Berkel, denn auch Jean-Paul Gaultier bei seinen zahllosen Kollektionen eine als sein Meisterwerk benennen? Da laviert der sonst so Aussagefreudige ein wenig, murmelt etwas von der jüngsten Kollektion, die ja immer die wichtigste sei. Aber dann meint er doch: die Matrosenshirts. Auch da ließ er sich übrigens vom Kino inspirieren: von „Querelle“, dem letzten Film von Fassbinder.