Kultur

Eine Halle für die Gegenwartskunst

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Gabriela Walde

Der Hamburger Bahnhof wird 20 Jahre und feiertdas Jubiläum mit einem eintrittsfreien Wochenende

Eine Gruppe von Menschen drängelte sich rein, die andere wieder raus. Die Schlange vor dem Hamburger Bahnhof ist mal groß, mal klein. Manche stehen draußen an den Büdchen, ein Weinglas in der Hand oder die Bierflasche und quatschten darüber, was sie drinnen gesehen haben. Für die mehrstündige Performance von Anne Imhof, Preisträgerin des Preises der Nationalgalerie, braucht man Durchhaltevermögen. Drinnen im Museum waberte der Nebel, manchmal passiert nicht viel – oder eben gar nichts. Außer dass sich einige Gestalten in Slow Motion durch die große Halle bewegten und ein Falke ihnen dabei zusieht.

Egal ob man bei dieser Performance durchhielt oder lieber draußen mit seinem Drink den Abend verbrachte: Der Hamburger Bahnhof zeigte sich mit diesem performativen, nächtlichen Format einmal mehr als offenes, kommunikatives Haus, ausstellungstechnisch flexibel weit über die Grenzen eines staatlichen Museums hinaus. Ermöglicht durch die Finanzspritze des Freundeskreises der Nationalgalerie.

20 Jahre wird das Museum für Gegenwartskunst nach 1960 in diesem Monat – gefeiert wird mit einem eintrittsfreien Wochenende am 5. und 6. November. Das geht nur mithilfe des Freundeskreises und einer Spende durch Erich Marx, dessen Sammlung mit Werken von Warhol & Co. seit Eröffnung des Hauses zum zentralen Bestand des Hamburger Bahnhofs gehört.

Das Museum leuchtet schon von Weitem in der Stadtlandschaft – Markenzeichen sind die grün-blauen Neon-installationen von Dan Flavin. Renoviert wurde der ehemalige Kopfbahnhof von Josef Paul Kleihues. 2004 konnte das Haus mit den von Kühn Malvezzi umgebauten Rieckhallen seine Ausstellungsflächen nahezu verdoppeln. Domizil der Flick Collection, die damals Kontroversen auslöste, weil Friedrich Christian Flicks Großvater, Friedrich Flick, NS-Rüstungslieferant gewesen war und Zwangsarbeiter beschäftigt hatte. Dem Enkel warf man vor, von dem Erbe („Blutgeld“) seine Kunst erworben zu haben – die Berlin nun ausstellt. Heute gehören 268 Werke Flicks in den festen Bestand.

Mit verschiedenen Ausstellungsformaten wird das Haus bespielt. Die „Neue Galerie“ etwa zeigt die Bestände der Klassischen Moderne im Dialog mit zeitgenössischer Kunst. Derzeit „streitet“ Ernst Ludwig Kirchner mit Rosa Barba und Rudolf Stingel. Attraktion ist die historische Halle, die zu den spannendsten und anspruchsvollsten Plattformen für Gegenwartskunst zählt. Carsten Höller ließ dort einige Rentiere grasen und Vögel flattern, Tomás Saraceno brachte die Besucher mit seinen gigantischen Luftblasen zum Schweben. Und die letzten Monate schlenderte man vorsichtig um die Bodenplatten des US-Minimalisten Carl Andre herum.