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Vor und hinter der Kamera: Natalie Portmans Regiedebüt

| Lesedauer: 4 Minuten
Peter Zander
Sie schrieb das Drehbuch, führte Regie und spielte auch noch die Hauptrolle: Natalie Portman als Fania Oz

Sie schrieb das Drehbuch, führte Regie und spielte auch noch die Hauptrolle: Natalie Portman als Fania Oz

Foto: Koch Media

Für ein Debüt könnte man sich einen leichteren Stof fvornehmen: Der Filmstar hat ein Buch von Amos Oz verfilmt. Und spielt auch mit.

Sie hat den Holocaust überlebt. Und ist nach Israel gegangen. Ins gelobte Land, in dem doch Milch und Honig fließen sollen. Aber auch dort ist der Schrecken zuhause. Leben die Menschen hinter Bretterverschlägen, mit denen sie notdürftig ihre Häuser verbarrikadieren.

Drängen sich alle Nachbarn im Erdgeschoss auf wenigen Quadratmetern, weil sie sich nicht in ihre Wohnungen trauen, aus Angst vor den Bomben. Noch steht Israel unter britischem Mandat und muss sich seine Unabhängigkeit mit einem ersten Krieg erstreiten. Die junge Frau fällt darüber in eine Depression, aus der sie nicht mehr ins Leben findet.

Liebeserklärung an ihre Geburtsstadt

Mit „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“ gibt die Schauspielerin Natalie Portman ihr Regiedebüt. Sie hätte sich dabei kaum eine schwierigere Aufgabe stellen können, ist es doch ein ganz persönlicher Roman von Amos Oz, in dem dieser seine eigene Kindheit erzählt. Und eine Liebeserklärung an seine früh aus dem Leben geschiedene Mutter schreibt.

Natalie Portman hat daraus auch eine Liebeserklärung an ihre Geburtsstadt gemacht. Denn obgleich Amerikanerin, wurde sie als Neta-Lee Hershlag in Jerusalem geboren und hat sich für ihren Regie-Einstand bewusst einen israelischen Stoff ausgewählt, den sie auf Hebräisch verfilmt hat.

Zehn Jahre hat sich das Projekt hingezogen. Zehn Jahre, in denen die Schauspielerin nicht nur älter geworden ist, sondern selbst eine Familie gegründet hat. Ursprünglich war eine andere Schauspielerin für den Part der Mutter vorgesehen, aber als die Dreharbeiten schließlich anstanden, fühlte sich Natalie Portman reif genug, die Frauenfigur selbst zu übernehmen.

Wir sehen zuerst ihre Hand. Und hören ihre Stimme. Fania Oz erzählt ihrem Jungen immer wieder Geschichten, während sie ihm übers Haar streicht. Wundersame Geschichten, die ihn, aber auch sie aus dem tristen Alltag entrücken sollen. Es ist ganz klar, woher der kleine Amos einmal die Kunst des Erzählens nehmen wird. Es ist die Gabe der Mutter, die sich auf ihn überträgt und der er, als alter Mann, mit der Erzählung ihrer Geschichte huldigt.

Düstere Geschichte in dumpfen Bildern

Diese doppelte Perspektive, der Blick des jungen Amos und des alten Oz auf seine Mutter, macht den Reiz dieser Verfilmung aus. Dabei tut sich aber noch eine ganz andere Bedeutungsebene auf: Der Hauptdarsteller, Amir Tessler als Film- sohn, ist etwa so alt wie Natalie Portman, als wir sie in ihrem ersten Film kennenlernten, 1996 in „Léon – Der Profi“. Er schaut manchmal ganz ähnlich in die Kamera, wie sie es damals getan hat. So schwingt bei all der Geschichte von Amos Oz auch ein wenige ihre eigene mit hinein.

Aber doch hat sich Natalie Portman ein wenig viel aufgehalst. Nicht nur Regie und Hauptrolle. Sondern auch noch das Drehbuch. Es gelingt ihr ganz gut, die drückende Stimmung vor der Staatsgründung einzufangen. Von Euphorie, von Aufbruchstimmung ist da wenig zu spüren. Und Kameramann Slawomir Idziak findet dafür adäquat dumpfe Bilder in trüben, entsättigten Farben. Nur selten ist einmal der Himmel zu sehen.

Aber die Fabel weiß die Portman nicht recht in eine überzeugende Dramaturgie zu gießen. Wenn die Geschichten der Mutter versiegen, wenn sie still und verschlossen wird, dann wiederholen sich immer wieder die Bilder einer Frau, die sich in sich selbst verkapselt. Es ist dann oft, als ob nicht nur diese Figur, sondern der ganze Film in Depression verfällt.

Aber derartige Unstimmigkeiten sind nicht selten bei Regiedebüts. Natalie Portman ist es hoch anzurechnen, dass sie sich für ihren Erstling nicht irgendein Nummer-Sicher-Stück ausgewählt und mit Hollywood-Kumpels besetzt hat. Sondern dass sie sich mutig an ein schwieriges Thema mit eminent politischem Charakter gemacht hat. Es wäre schön, wenn man von dieser Erzählerstimme noch mehr hören würde.

( Peter Zander )