Kultur

Stars machen Mut: Altwerden ist gar nicht so schlimm

Daniela Ziegler und Helmut Baumann im Schlosspark Theater

Altwerden, das hat nicht nur Joachim Fuchsberger in seinem gleichnamigen Buch festgestellt, ist nichts für Feiglinge. Ständig sind da die kleinen und größeren Zipperlein. Auch das Gedächtnis lässt einen immer öfter im Stich, und dann macht man die merkwürdige Feststellung, dass man schrumpft. Aber alles halb so schlimm! Meint wenigstens die österreichische Autorin Lida Winiewicz, die darüber einen ganzen Abend zusammengestellt hat. Sie muss es wissen: Winiewicz ist bereits 88 Jahre alt. Daniela Ziegler und Helmut Baumann hauchen im Schlosspark Theater ihren Texten Atem ein. Wobei sich der Programmtitel wie ein Schlachtruf liest: "Alles halb so schlimm! Altwerden für Anfänger."

Bei mir wohnt ein Gnom, behauptet etwa Helmut Baumann. Einer, der alles verlegt, der einem ständig ein Bein stellt. Irgendwie eine tröstliche Ausrede, jemand anderen beschuldigen und die eigenen Unpässlichkeiten unterschieben zu können. Ich bin verliebt, schwärmt Daniela Ziegler und erzählt, wie sie im Lift mit einem jungen Mann stecken bleibt. Dabei versteht sie alle Andeutungen schrecklich miss, dem jungen Mann ist nichts peinlicher, als mit "einer Alten" allein zu sein. Schließlich singen die beiden im Duett ein "Lied über Beipackzettel", indem sie ein irre langes Papier entfalten und alle möglichen Nebeneffekte genüsslich aneinanderreimen.

Es ist ein besonderes Gipfeltreffen, das das Publikum nach Steglitz lockt. Helmut Baumann, mittlerweile 77 Jahre alt, war lange Jahre Intendant am Theater des Westens (TdW), die besten Jahre des Hauses, wie viele im Rückblick meinen. Auch im Alter ist er noch überraschend rege, tritt seit Jüngstem an der Komischen Oper auf und tänzelt auch jetzt galant über die Schlosspark-Bühne. An seiner Seite Daniela Ziegler, die unter Baumann einst ebenfalls Triumphe am TdW gefeiert hat, dann aber lange Jahre gar nicht mehr in Berlin aufgetreten ist. Ein Zufall oder eine gewitzte Terminplanung will es, dass sie seit zwei Wochen an der Kantstraße im Musical "Sister Act" als Mutter Oberin zu sehen ist. Da müsste sie eigentlich auch an diesem Abend spielen, aber die 68-Jährige hat sich einige freie Tage ausbedungen. An denen sie mit ihrem ehemaligen Intendanten nun auf einer anderen Bühne für reichlich TdW-Nostalgie sorgt.

Baumann hat in seinen 15 Jahren am TdW bereits oft mit Lida Winiewicz zusammengearbeitet und zuletzt ihr Stück "Paradiso" an der Komödie am Kudamm inszeniert. Jetzt hat er sich ihrer Texte zum Thema Älterwerden angenommen, die Thomas Zaufke zum Teil vertont hat und von Nikolai Orloff am Klavier begleitet werden. Ein hübscher Abend mit manch bitterer Wahrheit in süßer Verpackung. Am eigentlichen Zielpublikum, denen, die erst noch älter werden, geht das indes weitgehend vorbei. Im Saal überwiegt sichtlich die Silberhaarfraktion, die umso mehr über eigene Gebrechen lachen kann. Und ihre Stars feiert. Wenn das Alter so sichtbar spurlos an einem vorbeizieht wie bei Frau Ziegler und Herrn Baumann, muss einem wahrlich nicht bange sein.

Schlosspark Theater, Schloßstr. 48, Steglitz. Tel.: 78 95 66 70. Die nächste Termine: 15.–17. November und 19.–21. Dezember, je 20 Uhr.

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