Konzert in Berlin

Samy Deluxe zeigt im Astra seine vielen Gesichter

Samy Deluxe zeigt sich im Astra Kulturhaus gesellschaftskritisch und sehr persönlich. Das Publikum ist begeistert.

Samy Deluxe

Samy Deluxe

Foto: imago stock&people / imago/Future Image

Samy Deluxe, er ist ein Urgestein der Deutschen Rap-Szene. Anfang der 2000er-Jahre war er mitverantwortlich für die Etablierung des Hip Hop, aus Nischenmusik wurde Mainstream, mit der Folge, dass Deluxe sich auf neue Projekte stürzte. Jetzt geht er mit seinem neuen Album "Berühmte Letzte Worte" auf Tournee.

Die Hände gehen hoch, Samy Deluxe betritt die Bühne des Astra Kulturhaus, trägt Jogginghose, Sonnenbrille. Seine Haare hat er zum Dutt gebunden. „Meine Damen und Herren.Yeah! Auftritt. Ich hör mich nicht. Ist das Mikrofon an?“, rappt er. Man hat den Eindruck, es liegt ihm mehr denn je daran gehört zu werden. Sind die Songs an diesem Abend eben nicht nur Beleidigungen gegen Hip-Hop-Kollegen, sondern vor allen Dingen gesellschaftskritisch und sehr persönlich. So auch „Haus am Mehr“. Der Titel, der zuerst wie eine Persiflage an Peter Fox „Haus am See“ klingt, beschreibt die unendliche Gier nach mehr. „Mehr Zeit, Mehr Glück, Mehr Liebe, Mehr Fans, Mehr Fame, Mehr Ziele“, rappt er. Der Beat ist ausgeruht, die Begleitung auf Drums und eine synthetische Orgel reduziert.

Es folgen weitere sozialkritische Songs, bei „Mimimi“ spricht das komplette Publikum völlig euphorisch mit. Man fragt sich, ob ihnen das Gesprochene bewusst ist. „Ich bin ein Mimimi, Mitbürger mit Migrationshintergrund. Und ganz egal, was ich tu’, ich werd’ hier niemals der perfekte Schwiegersohn.“

Soulig, orchestral und basslastig

Samy Deluxe, bürgerlich Samy Sorge, ist 1977 in Hamburg geboren. Sein Vater stammt aus dem Sudan, verlässt die Familie, als Samy zwei Jahre alt ist. Zu Beginn seiner Karriere rappt Deluxe noch in Englisch, mit der Band Dynamite Deluxe feiert er 2000 schließlich seinen Durchbruch. Ein Jahr später veröffentlicht er sein erstes Album unter dem Künstlernamen Samy Deluxe, worauf er die Goldene Schallplatte erhält. Nachdem er mit „Poesiealbum“ zum ersten Mal die Charts anführt, verfällt er nach dem Release in schwere Depressionen. Dabei entsteht das Alter Ego Herr Sorge, mit reichlich Auto-Tune-Effekten will er zwei Jahre lang unpopuläre Pop-Musik schaffen.

2016 ist Samy Deluxe wieder ganz da, soulig, orchestral und basslastig. Sein siebtes Album zeigt dem Zeitgeist die kalte Schulter, ohne altbacken oder angestaubt zu klingen. Für die passende Untermalung sorgen Bazzazian, Farhot, Matteo Capreoli, DJ Vito — der mit einer unbändigen Energie auf der Bühne umherspringt — und Samsemilia selbst. „Diesen Song habe ich für meine Mama geschrieben. Heute ist ihr 70. Geburtstag“, kündigt Deluxe eine der letzten Nummern seines neuen Albums an. Ein Hip-Hopper, der seiner Mutter seine Liebe gesteht - was abstrus klingt, ist an diesem Donnerstagabend außergewöhnlich authentisch.

Dass er noch immer einer der technisch besten und schnellsten Rapper im Land ist, zeigte er nach 60 Minuten, als er seine Band vorerst von der Bühne schickt. Es folgt ein knapp einstündiger Hochgeschwindigkeits-Ritt durch 15 Jahre Hamburger Rap-Geschichte, das seinen Höhepunkt in „Weck mich auf“ findet. Es ist ein Abend, der die Entwicklung eines Künstlers beschreibt. Wir werden sehen, ob es seine letzten Worte bleiben.