Kultur

Wie ein Buch zur Show mit Musik und Glitter wird

Sebastian Fitzek liest aus seinem neuen Thriller „Das Paket“

Menschenschlangen vor dem Tempodrom. Immer mehr strömen hinzu, vorbei an Bratwurstständen und Bierbuden, die Tickets wie Trophäen in der Hand. Nein, hier findet kein Konzert statt. Sondern eine Lesung. „Hat der wirklich so eine riesige Fangemeinde?“, staunt jemand, schaut sich stirnrunzelnd um. Ja, hat er. Sebastian Fitzek ist, klärt eine Leserin mit hochgezogenen Augenbrauen in der Schlange auf, Deutschlands erfolgreichster Thrillerschreiber.

Dass er zur Lesung aus dem neuen Roman nicht in die gemeine Buchhandlung bittet, das sei ja wohl sonnenklar. Stattdessen bietet Fitzek eine echte Show. Eine mit Glitzerregen, Videoleinwand und Livemusik. „Soundtracklesung“ nennt er selbst sein Konzept. Zur Feier seines zehnjährigen Schreibjubiläums – da erschien sein erster Roman „Die Therapie“ – hat er sich das ausgedacht und, klar, auch zur Feier seines neuen Buchs „Das Paket“. Am Mittwochabend sind 3500 Leser ins Tempodrom gekommen, um ihn daraus lesen zu hören. Eigentlich aber, um den Autor, „ihren Fitzek“, zu sehen.

Es wird gejohlt, als stündeeine Boyband auf der Bühne

Dass Fitzek, der erst Tiermedizin und dann Jura studierte, ehe er beim Radio landete und dann, später, am laufenden Band Psychothriller produziert, ein enges Verhältnis zu seinen Fans hat, das wird schnell klar. Kaum ist er auf der Bühne, in schwarzem Anzug und Hemd, wird gepfiffen und gejohlt, als stünde da eine Boyband der 90er-Jahre. Fitzek widmet diesen Abend seinen Eltern.

Dass „Die Therapie“ sein erster Bestseller würde, das habe seine Mutter als Erste geahnt. Immer wieder kehrt er an diesem Abend zurück zu diesen Anfängen. Er zeigt Kinderfotos von sich, stellt seinen besten Schulfreund vor, erzählt Anekdote um Anekdote. Wenn Fitzek solche Geschichtchen erzählt, wird klar: Erzählen ist seins, aber auch diese Selbstinszenierung. Die macht ihm Spaß.

Im vergangenen Jahr verkleidete er sich bei einer Lesung als Hauptfigur seines Krimis. Dieses Mal versucht der 45-Jährige, die Handlung seines Psychothrillers aus den Buchdeckeln zu heben. Er hat eine Band beauftragt, einen Soundtrack zum Buch zu schreiben. Und während Fitzek einige Passagen liest, spielt die Musik, die an Hitchcocks „Psycho“ erinnert. „Auch wenn ich mit dem Schreiben einer Komödie beginne, lande ich später beim Thriller“, sagt er. Ideen für den nächsten Text hat er selbstverständlich schon.