Kultur

Harter Humor

Paul Beatty erhält als erster US-Amerikaner den britischen Man-Booker-Literaturpreis

Der US-amerikanische Autor Paul Beatty hat für den satirischen Roman „The Sellout“ den britischen Man-Booker-Literaturpreis erhalten. „Schreiben hat mir ein Leben gegeben“, sagte der von Emotionen überwältigte 54-Jährige bei der Preisverleihung in London. Beatty ist damit der erste US-Amerikaner, der den wichtigsten britischen Literaturpreis erhält.

Im Buch geht es um die Beziehungen zwischen Schwarzen und Weißen in den USA. Es handele sich um „einen Roman unserer Zeit“, teilte die Jury zur Begründung mit. Das Buch „zerschlägt jedes soziale Tabu“, sagte die Jury-Vorsitzende Amanda Foreman bei der Verleihung am Dienstagabend. Der Roman spielt in Dickens, einer fiktiven Vorstadt von Los Angeles. Ein Schwarzer steht vor dem höchsten US-Gericht, weil er die Sklaverei und die Trennung von Schwarzen und Weißen an Schulen wiedereinführen will.

„Der Man Booker Prize war in der Vergangenheit nicht für Sinn für Humor bekannt“, kommentierte die britische Tageszeitung „Guardian“ die Jury-Entscheidung. Bei seiner Dankesrede war der Amerikaner so sehr zu Tränen gerührt, dass er zunächst kaum sprechen konnte. „Das ist ein hartes Buch. Es war für mich ein hartes Buch zu schreiben, es ist hart zu lesen.“ Anfangs habe er den Roman nicht schreiben wollen. Es sei seine Freundin gewesen, die ihn dazu ermutigt habe, fügte er hinzu.

Beattys frühere Werke „Slumberland“ und „Der Sklavenmessias“ liegen in deutscher Übersetzung vor. „Slumberland“ handelt von einem US-amerikanischen DJ namens Darky, der durch das gerade wiedervereinigte Berlin stolpert. 2006 gab Beatty eine Anthologie über den Humor der Afroamerikaner heraus. „The Sell-out“ ist bislang noch nicht auf Deutsch erschienen.

155 Romane waren in diesem Jahr für den Man Booker Prize eingereicht worden. Auf der Shortlist standen als Konkurrenten zuletzt die Briten Deborah Levy („Hot Milk“), Graeme Macrae Burnet („His Bloody Project“), die US-Amerikanerin Ottessa Moshfegh („Eileen“) sowie die Kanadier David Szalay („All That Man Is“) und Madeleine Thien („Do Not Say We Have Nothing“).

Überreicht wurde der Buchpreis von Herzogin Camilla, der Frau von Prinz Charles. Die Auszeichnung ist mit umgerechnet rund 56.000 Euro dotiert und wird seit 1969 jährlich verliehen. Sie zeichnet Autoren aus, die auf Englisch schreiben und deren Werke in Großbritannien erscheinen. Zu den bisherigen Gewinnern zählen etwa Margaret Atwood und Salman Rushdie. Im vergangenen Jahr hatte der jamaikanische Schriftsteller Marlon James den Man-Booker-Preis erhalten.