Kultur

Immer nur schöne Bilder reichen beim Krimi nicht

Franka Potente als Ermittlerin nervt leider irgendwann

Ein ewiges, unheilvolles Gewölk am Himmel, aber das macht nichts. Im Gegenteil, die Schönheit Islands entfaltet sich vielleicht erst ganz, wenn sich über Lavafeldern, Geysiren, Flüssen, Gletschern und kargen Weiten der Horizont verdunkelt. In dem ersten der beiden Island-Krimis im Ersten wird die nordische Landschaft in gekonnten Kameraeinstellungen eingefangen. Ach, was heißt gekonnt: Ist ja so schwer nicht. Einfach draufhalten.

Ob die sicher mit vielen Hoffnungen verbundene Island-Kampagne der ARD am Ende insgesamt gekonnt ist, steht freilich dahin. Mit Franka Potente („Lola rennt“, „Die Bourne Identität“), wurde Hollywood-Starpower eingeflogen, weil das reizvolle Naturschauspiel allein nicht genügt.

Der erste Potente-Krimi heißt „Der Tote im Westfjord“ und läuft heute zur besten Sendezeit, der zweite – „Tod der Elfenfrau“ – dann in der kommenden Woche. Was die Protagonistin angeht, kann man den Drehbuchschreibern durchaus einen Sinn für Ironie unterstellen: Die von Potente verkörperte Solveig Karlsdóttir ist eigentlich Krimiautorin. Sie ist gut in der Disziplin Fantasieren. In Island wird nicht viel gemordet, aber in ihren Büchern wimmelt es von tödlichen Verbrechen.

Wer sich allerlei Schlimmes vorstellen kann, der eignet sich hervorragend als unkonventionelle Privatermittlerin, die Verbrechen da sieht, wo sie sonst niemand sieht – und die den professionellen Aufklärern damit gehörig auf den Zeiger geht. Im ersten Fall reist die Heldin an die Westfjorde, wo ihre immer vergesslicher werdende Mutter Beistand braucht. Kaum ist sie dort, passiert ein Unglück, und sie selbst ist es, die ihren Jugendfreund Jón (Gunnar Hansson) tot im Hafenbecken liegen sieht.

Der Island-Krimi packt einen nie, und das liegt vor allem an der Heldin, die, da muss man ehrlich sein, mit ihrer koketten Klein-Mädchen-Art nicht nur den Polizeichef, sondern auch den Zuschauer nervt. Es ist durchaus die Frage, warum sich die in Los Angeles lebende Potente für solch Dutzendware hergibt. Könnte daran liegen, dass sie keine besseren Rollenangebote hat. Oder dass ihr Mann Derek Richardson in einer Nebenrolle mitspielen darf. Bezahlter Familienurlaub ist nicht das Schlechteste!

Es ist übrigens auch nicht so, dass „Der Tote im Westfjord“ besonders atmosphärisch wäre, es ist alles zu gewollt und harmlos. Als Binni (Felix Klare), der nicht nur der Bruder des Opfers, sondern auch der Ex-Geliebte Solveigs ist, nach einem zweiten Todesfall im Gefängnis sitzt, reagiert sie bemerkenswert gelassen, obwohl ihre Liebe doch gerade erst wieder auflebte. Wahrscheinlich haben wir aber auch einfach nur die Nummer mit der nordischen Coolness nicht verstanden.

„Der Island-Krimi: Der Tote im Westfjord“ heute, 20.15 Uhr, ARD