Kultur

Antonio Canova, ein Meister der Anmut und Eleganz

Im Bode-Museum sind erstmals seine drei „Tänzerinnen“ zu sehen

Bildhauer Antonio Canova (1757–1822) hatte ein Faible für den Tanz, ein Leben lang. Nicht nur die Bewegung mag ihn inspiriert haben, sondern auch die leichte Erotik, die in der Bewegung der weiblichen Körper liegt. Schon in seiner Jugendzeit ging er mit einem Freund in die bergige Umgebung Roms oder in Trastevere spazieren, „um die Mädchen aus dem Volk tanzen zu sehen“.

Nur so ist es zu verstehen, dass der Italiener mit der hohen Denkerstirn manche Studien ganz für sich alleine in seinem Haus in Possagno, Treviso, behielt. Fünf dieser sublimen Tempera-Blätter sind nun im Bode-Museum zu sehen. In einem Kabinett, das herrliche Blickachsen auf seine prominenten, lebensgroßen Marmorskulpturen im Italienischen Saal freigibt. Die Figuren auf den Blättern sind so voller Anmut, Sanftheit und Schönheit, dass man eine Stunde lang davor stehen könnte, ohne dass es langweilig wäre. Die Stellung der schmale Füße, die schwungvollen Falten in den zarten, durchscheinenden Gewändern, die fliegenden Haare – alles ist mit präzisem Pinsel auf schwarzen Grund gesetzt, auf dem die Mädchen schweben. Canova, ein Meister der Eleganz. Die Zeichnungen sind da ganz anders, viel zackiger, schwungvoller, energischer. Versuchsanordnungen der Bewegung.

Wie Giuseppe Pavanello so schön im Katalog schreibt, nimmt das tanzende Mädchen in der Kunst Canovas den Platz ein, den die Engel in der Kunst des Barocks hatten. Und nicht selten haben Canovas Tänzerinnen tatsächlich auch die Ausstrahlung eines göttlichen Wesens. Mehr den Lüften zugehörig als der Erde. Die Körperformen fließen gen Himmel, die Bewegungen scheinen flüchtig. Mit dieser exzellenten kleinen Schau zum Thema Tanz feiert sich das Bode-Museum ein wenig selbst – zum zehnjährigen Jubiläum der Wiedereröffnung des Hauses.

Ein Großteil der Leihgaben stammt aus dem Museum in Possagno, darunter die fragilen Papierarbeiten in den alten Goldrahmen. Ohne diese Werke wäre diese Ausstellung halb so schön.

König Friedrich Wilhelm III. liebt Canovas Skulpturen, er erwarb die „Hebe“ mit dem kleinen Kelch 1825 für Berlins Museen. Davor begnügte er sich mit einer Kopie, die er im Königlichen Palast aufstellen ließ. Entstanden war die „Hebe“ ursprünglich für einen Palazzo in Venedig – dort gehörte sie damals zu einer künstlerischen Attraktion. Kein Wunder, ist sie doch ein Bravourstück der Statik. Die Füße berühren nur zaghaft den Boden. Unglaublich, wie lebendig Marmor hier erscheint. Man weiß, er überzog seine Figuren mit einer leichten Tönung, um dem Stein einen sanften Touch zu geben. Unübersehbar ist, dass ihn die Werke der Antike, etwa griechische Vasen oder farbige Fresken inspiriert haben.

Bode-Museum, Am Kupfergraben. Di.–So. 10–18 Uhr, Do. 10–20 Uhr. Bis 22. Januar 2017. Katalog: 25 Euro. Führung: 29.10., 15 Uhr.