Frankfurter Buchmesse

Bruce Springsteen als Kumpel bei der Buchmesse

Bruce Springsteen ist der Star der Buchmesse. Der Ort seiner Lesung ist geheim, Journalisten werden zu Fans, zwei Minuten für Fotos.

Der US-amerikanische Rockmusiker Bruce Springsteen (r) wird von WDR-Musikredakteur Thomas Steinberg zum Beginn der Frankfurter Buchmesse interviewt.

Der US-amerikanische Rockmusiker Bruce Springsteen (r) wird von WDR-Musikredakteur Thomas Steinberg zum Beginn der Frankfurter Buchmesse interviewt.

Foto: Arne Dedert / dpa

Geradezu ehrfurchtsvolle Stille senkt sich über den Konrad-Adenauer-Saal in der Frankfurter Nobelherberge Villa Kennedy. Die Verlagsmitarbeiter sind gesammelt hinter einer Doppeltür verschwunden, zwei Sicherheitsleute haben Aufstellung genommen, jetzt muss er jeden Moment kommen.

Bruce Spring­steen, der größte Star der Frankfurter Buchmesse, schon Mitte der 70er-Jahre als „Zukunft des Rock ‘n’ Roll“ gefeiert, derzeit aber vor allem der Mann, der dem Heyne Verlag mit seiner Autobiografie „Born to Run“ einen Bestseller beschert hat.

Geheimer Veranstaltungsort

Die stellt er nun in einem „moderierten Pressegespräch“ den etwa Hundert Medienvertretern vor, die sich hier versammelt haben. Der Veranstaltungsort wurde erst am Vorabend bekannt gegeben und durfte vorab keinesfalls publiziert werden. Man befürchtete einen Massenauflauf der Springsteen-Anhänger.

„Warst du auch beim Konzert in München?“ – „Ich hab ihn das erste Mal 1980 live gesehen!“ Die Gespräche, die die Wartezeit verkürzen, zeigen: Viele sind an diesem Abend in zweiter Linie Journalisten. Und in erster Linie Fans. Sie haben alte Platten mitgebracht, die der „Boss“ signieren soll, und ihre Handy-Akkus sind bis zur 100-Prozent-Marke aufgeladen, falls sich die Gelegenheit zum Selfie ergeben sollte.

Zwei Minuten für Fotos

Als Springsteen auf die Bühne kommt, darf zwei Minuten lang fotografiert werden – ein Klick- und Blitzgewitter bricht los, das dem 67-Jährigen in Jeans, Hemd und Jackett ein wenig unangenehm zu sein scheint. Wie er damit zurechtkomme, dass er so vielen Menschen so viel bedeutet, dass einige sagen, er habe den Soundtrack zu ihrem Leben geschrieben, wird er später gefragt. „Well“, sagt Springsteen, „das ist es ja, was ich immer erreichen wollte. Es bedeutet Verantwortung, es ist eine Ehre, aber ich beschäftige mich nicht ständig mit dieser Tatsache.“

In der Villa Kennedy sind schon viele Fragen zur Autobiografie gestellt, da greift Springsteen zum Buch und liest. Die Passage, in der er als Jungspund davon träumte, den plötzlich erkrankten Mick Jagger als Sänger der Rolling Stones zu ersetzen, sorgt für Gelächter – auch beim Autor selbst.

Springsteen ist ein Weltstar, aber an diesem Abend wirkt er eher wie ein alter Kumpel, mit dem man an der Bar noch einen Absacker trinkt. So ähnlich kommt es dann auch: Beim Empfang des Heyne Verlages schlendert er plötzlich herein, bestellt sich ein Pils und ist so normal wie man es eben sein kann, wenn man Bruce Springsteen heißt.