Kultur

Sven Drühl zitiert, kopiert und verfremdet

Spiel mit Landschaftsbildern im Haus am Waldsee

Majestätisch erhebt sich die schnee­bedeckte Bergwand in den wolkenverhangenen Himmel. An einigen Stellen lugt rauer Felsen hervor. So stellt der Maler Sven Drühl das Matterhorn dar. „Sie müssen ein begeisterter Wanderer sein“, wird er oft gefragt. Wenn Drühl das hört, muss er schmunzeln. Denn nach den Motiven für seine Landschaftsbilder sucht er überall, nur nicht in der Natur. Seine Bilder zeigen zwar Berge, Flüsse, Wälder und Seen. Aber Abbilder sind es nicht, sondern Bilder über Bilder. Die Vorlagen dafür findet Drühl bei anderen Künstlern. Anfangs faszinierten ihn Maler aus dem 19. und 20. Jahrhundert wie Caspar David Friedrich, dann japanische Holzschnitte aus der Shin-Hanga-Bewegung der 20er- und 30er-Jahre. Später kamen Fotografien von Albert Renger-Patzsch, Sebastião Salgado und Wolfgang Tillmans hinzu. Und schließlich Material aus Zeitschriften oder die Hintergrundbilder von Computerspielen. Bei Sven Drühl wird zitiert, kopiert, verfremdet und wie wild gesampelt. Alles, was wir auf seinen Bildern sehen – Gebirgslandschaften, die Äste eines Baumes vor blauem Himmel, ein Bergsee vor Geröll – ist durch und durch künstlich.

Nun sind seine Arbeiten im Haus am Waldsee zu sehen und beeindrucken durch die Vielfalt der Verfahren. Da Drühl seine Motive aus anderen Quellen adaptiert, fließt die Energie des Künstlers vor allem in die Maltechnik. Oft arbeitet Drühl mit Autolackfarben, kombiniert sie mit Ölfarbe und Silikon. In dem Gemälde mit dem schneebedeckten Matterhorn von 2012 sind die Konturen mit Silikon vorgezeichnet, wulstig hebt es sich von der Leinwand ab. Das vorherrschende Material am Himmel ist jedoch der glänzende Autolack.

Haus am Waldsee. Argentinische Allee 30. Di.–So. 11–18 Uhr. Bis 6. November.