Kultur

Umsätze des Buchmarkts seit zehn Jahren stabil

Gute Stimmung zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse

Der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller, sieht die Meinungs- und Publikationsfreiheit an vielen Orten der Welt massiv bedroht. Deshalb brauche die Gesellschaft eine starke Buch- und Medienbranche, „die Informationen und Geschehnisse einordnen, hinterfragen und differenzieren“ könne, sagte Riethmüller am Dienstag vor der Eröffnung der 68. Frankfurter Buchmesse. „Die Freiheit des Wortes ist für uns nicht verhandelbar.“ Besonders angespannt sei die Lage in der Türkei nach dem Putschversuch im Juli, sagte Riethmüller. Mindestens 140 Medienhäuser seien dort geschlossen worden, darunter 30 Buchverlage. Mehr als 130 Autoren und Journalisten säßen momentan in türkischen Gefängnissen ein.

In Deutschland setze die Gesetzgebung die Buchbranche unter Druck, fügte der Vorsteher des Börsenvereins hinzu. Besonders zu schaffen mache ihr die Entscheidung des Bundesgerichtshofs, wonach die Einnahmen aus Urheberrechten nur noch an die Autoren ausgeschüttet werden dürfen und nicht mehr zur Hälfte an die Verlage. Dies gefährde vor allem die Existenz der kleineren Medienhäuser, verdeutlichte Riethmüller. Mit Sorgen sehe die Branche auch die von der Bundesregierung geplante allgemeine Bildungs- und Wissenschaftsschranke, wonach der Urheberschutz für Lehrbücher und wissenschaftliche Werke entfallen soll. Ungeachtet dessen gehe es dem deutschen Buchmarkt gut, sagte Riethmüller. Die Umsätze seien in den vergangenen zehn Jahren stabil geblieben, „trotz erheblich gewachsener Medien- und Gerätekonkurrenz“.

4000 Veranstaltungen mit mehr als 600 Autoren

Die Buchmesse wird am Dienstagabend eröffnet. Den Gastlandauftritt bestreiten in diesem Jahr Flandern und die Niederlande. Dazu werden rund 70 flämische und niederländische Autoren nach Frankfurt kommen, darunter Margriet de Moor, Leon de Winter und Arnon Grünberg. Außerdem dürfen sich die Besucher auf Krimiautoren wie Donna Leon, Sebastian Fitzek und Friedrich Ani, auf den Buchpreisträger Bodo Kirchhoff sowie die Historiker Ian Kershaw und Herfried Münkler freuen.

Zur Eröffnungsfeier reisen unter anderen die Könige Philippe von Belgien und Willem-Alexander der Niederlande an. Zur weltweit größten Bücherschau werden rund 7000 Aussteller aus 100 Ländern erwartet. Auf und außerhalb des Messegeländes wird es bis Sonntag rund 4000 Veranstaltungen mit mehr als 600 Autoren geben. Die ersten drei Tage sind Fachbesuchern vorbehalten. Am Wochenende hat dann das Publikum Zutritt. Die Veranstalter rechnen mit rund 300.000 Besuchern.