Kultur

Kunst soll Spaß machen

Krist Gruijthuijsen, neuer Chef der Kunst-Werke, will ein guter Gastgeber sein. Doch erst einmal wird umgebaut

Eigentlich ist es immer so, dass der neue König im neuen Job nicht nur ein eigenes Team mitbringt, sondern erst einmal ein dickes Ausrufezeichen setzt. Auch der neue Direktor der Kunst-Werke (Institute for Contemporary Art, KW), Krist Gruijthuijsen, 35 Jahre alt, macht das nicht anders. Dazu gehört auf jeden Fall ein architektonisches „refreshment“. Die Berliner Museumsarchitekten Kuehn Malvezzi stehen ihm beim Umbau zur Seite. Der Eingang soll verlegt werden, in den Seitentrakt, Wände müssen dafür weichen. Eine Rampe soll vor die Tür – als kommunikative Wartezone und zum lockeren Kaffee. „Der Besucher soll sich willkommen fühlen“, sagt der Holländer mit dem Zungenbrechernamen.

Die Zeit der Improvisation ist endgültig vorbei

Deswegen will er auch den Garten hinten am Haus wieder fürs Publikum öffnen. Ach ja, und die alte „Pogo-Bar“ unten im Keller soll wieder aktiviert wieder. In den 90er-Jahren wurde dort Techno gespielt und sehr viel getrunken. „Illegal“, nennt es Gruijthuijsen. Man merkt gleich, er kennt das Nachwende-Berlin nicht, als in allen Ecken und Nischen irgendetwas ausprobiert wurde und entstand. Einmal die Woche soll hier nun ein Künstler die Drinks kreieren und den Sound, so wie man es bereits aus der „Forgotten Bar“ kennt. Das Haus soll Offenheit ausstrahlen. Kunst soll schließlich Spaß machen, dazu gehört auch die „Kommunikation“, findet der junge Kunstmann. Dieses Wort benutzt er an diesem Abend mindestens fünfmal.

Er hat recht, wer die Kunst-Werke über das bisherige Entree an der Front betritt, hat Mühe, sich zu orientieren. Ordentliche Toiletten, die soll es geben, weg mit den zugigen auf dem Flur, die wirken wie in die Jahre gekommene Etagenklos. Und Schließfächer sollen Platz finden, ein Bücherladen ist geplant. Alles so, wie in jedem ordentlichen Ausstellungshaus. Eins ist klar: Nach der dreimonatigen Renovierung der Kunst-Werke, die bis Januar läuft, wird das Haus nicht mehr sein, wie es war. Den charmanten Geist der Improvisation, des Unfertigen wird das Ausstellungshaus, eine ehemalige Magarinefabrik, verlieren. Man darf das betrauern oder gut finden. Krist Gruijthuisen jedenfalls soll die Institution neu aufstellen, das heißt: verjüngen und internationaler ausrichten. Das ist dem Kultursenat einiges wert: 250.000 Euro stehen dem Holländer mit den markanten Locken in diesem Jahr zur Verfügung, 2017 werden es 500.000 Euro sein. Er bekommt auch mehr Macht, er ist Direktor und Chefkurator in Personalunion. Bis 1. Juli leitete Gabriele Horn die Institution, sie steht nun der Berlin Biennale vor. Ellen Blumenstein war Chefkuratorin. Mit Leitungserfahrung kann der smarte Mann durchaus punkten: Den Kunstverein Amsterdam hat er mitbegründet, den Grazer Kunstverein leitete er bis zu seinem Umzug nach Berlin.

Gruijthuijsen übernimmt die KW im Jahr der „Silberhochzeit“. Doch Nostalgie kommt an diesem Abend, an dem er sein Programm vorstellt, nicht auf. Er vergisst das 25. Jubiläum an diesem Abend zu erwähnen. Klaus Biesenbach mit seinen Mitstreitern entdeckte 1991 die ruinöse Margarinefabrik als Kunstort, drumherum war eine urbane Brache. Schon ein Jahr später – mit der Ausstellung „37 Räume“ und natürlich einigen ziemlich tollen Partys – begann der Hype um die Galerienmeile Auguststraße. Es war die Geburtsstunde der Kunststadt Berlin. Aber natürlich feiert Gruijthuijsen – am 25. November mit einem Dinner ausschließlich für geladene Gäste. Die KW sind bis Januar geschlossen. Biesenbach, der am Museum of Modern Art (MoMA) in New York ist, wird dabei sein. Er ist gerade dabei, Fotos und Dokumente aus der Anfangszeit der KW zusammenzutragen. Doch eine Schau zum flirrenden Nachwende-Kunstmilieu, zur Geschichte des Hauses wird es nicht geben. Aus Gruijthuijsens Sicht verständlich, er blickt nach vorne, nicht zurück ins alte Berlin.

Seine Planung ist engagiert: Statt vier große Ausstellungen pro Jahr plant er jeden Monat eine Einzel- oder Gruppenschau. An den Wochenenden gibt es die „Weekends“, wechselnde Performanceprogramme. Ganz oben auf seiner Wunschliste steht Ian Wilson, mit dem er das Haus am 19. Januar eröffnen wird. Wilson, Jahrgang 1940, ist für ihn einer der radikalsten Künstler, der die Idee von Sprache auf die Spitze treibt. Der nämlich nimmt unsere mündliche Kommunikation als Material für seine immaterielle Kunst.