Konzert im Tempodrom

Vanessa Mai begeistert Schlager-Fans in Berlin

Auf ihrer ersten großen Tour "Für Dich" heizte die Schlagerprinzessin Vanessa Mai dem Publikum im Berliner Tempodrom ein.

Am Montag trat die Sängerin Vanessa Mai im ausverkauften Tempodrom in Berlin auf

Am Montag trat die Sängerin Vanessa Mai im ausverkauften Tempodrom in Berlin auf

Foto: Young David / dpa

500 Plätze im Wintergarten waren zu wenig, so auch die 1895 im Friedrichstadt-Palast, und schließlich sind auch die 3000 Sitzplätze im Tempodrom ausverkauft. Berlin scheint eine Hochburg der Vanessa-Mai-Fans zu sein. Während ein minderlustiger Moderator Vanessa Mai gerade noch ankündigt, betritt sie überraschend, völlig unschlageresque die Bühne, in Shirt, Leggins und Booties. Sie unterbricht den Moderator, um ihrem Publikum mitzuteilen, dass sich ihr Auftritt verspätet. „Einige meiner Fans sind zum Wintergarten und Friedrichstadt-Palast gefahren, deswegen holen wir sie jetzt mit einem Shuttleservice ab“, sagt sie und verschwindet wieder hinter die Bühne, um ihr Outfit zu wechseln.

Ein pochender Bass-Herzschlag bebt durch die Halle, bis Vanessa Mai zurück auf die Bühne kommt, diesmal in kurzen Hotpants, Sneaker und einem karierten Hemd, das sie lässig um die Hüfte gewickelt hat. Auf einem Gerüst eröffnet sie den Abend mit „Mein Herz schlägt Schlager“. Herzchenluftballons fliegen durch die Luft, Kinder tanzen mit ihren Eltern.

Eine Single, ein Abum, eine Tournee für ihre Fans

Vanessa Mai zeigt sich an diesem Abend nahbar, passend zu dem Titel ihrer ersten Tournee, „Für Dich“. Zwischen ihren Liedern „Wunder gibt’s nicht nur im Himmel“, „Meilenweit“ und „Zauberland“ erzählt sie, was Erfolg für sie bedeutet, und Interviewsequenzen ihrer peinlichsten Auftritte werden auf einer bühnenfüllenden Leinwand eingespielt. Sie ruft ein Mädchen zu sich auf die Bühne, läuft durch die Reihen und macht Fotos mit ihren Fans.

Vanessa Mandekic alias Vanessa Mai wurde mit 15 Jahren als Teil der Tanzformation „Getting Craz’d“ Deutsche Meisterin im Hip-Hop und verschrieb sich nach ihrer Ausbildung zur Mediengestalterin der Musik. Gemeinsam mit Marc Fischer und Stefan Kinski trat sie bis 2015 unter dem Namen Wolkenfrei auf, ihr Debütalbum „Endlos verliebt“ platzierte sich im deutschsprachigen Raum in den Charts.

Seit ihrer Teilnahme als Jurorin bei der Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ tritt sie nicht nur unter dem Namen Vanessa Mai auf, sondern arbeitet auch mit Dieter Bohlen zusammen. Er produzierte ihr aktuelles Album „Für Dich“ und steuerte auch Songs bei, wie zum Beispiel seine gleichnamige Komposition, zu der einst Yvonne Catterfeld sang. Lasziv bewegt sich Vanessa Mai zu ihrer Elektro-Schlager-Version des Hits. Die hauchige Stimme von Yvonne Catterfeld in Erinnerung, scheint diese Version zu synthetisch, zu undramatisch, der Klang erinnert an Modern Talking.

Und obwohl sie schon drei Alben veröffentlicht hat, singt sie in der zweiten Konzerthälfte ein Cover nach dem anderen. Allesamt reduzierter. Mit Yvonne Catterfeld angefangen, über „Das Beste“ von Silbermond zu Nenas „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ – zufällig beschreibt sie damit die weibliche Coach-Besetzung der Sendung „The Voice of Germany“ in umgekehrter Reihenfolge.

Mais Stimme ist klar und souverän, aber meist ohne viele Emotionen, sehr glatt. Sie zeigt sich von der erotischen Seite, der schüchternen, der lustigen und gibt Kommentare, wie „Ohne meine Fans kann ich nicht sein“, widmet die Zeilen „Du bist wie Frühling im Winter, bist meine Lieblingsgalerie“ ihrem Verlobten, Andrea Bergs Stiefsohn. Es ist eine schöne, ja kitschige Show. Aber manchmal wünscht man sich ein bisschen weniger Vollkommenheit und etwas mehr von der Person Vanessa Mandekic, die nicht nur ein perfektes Leben führt.