Kultur

Kirill Petrenko bekennt sich zu Hans von Bülow

Unter seinen Vorgängern, sagt der designierte Chefdirigent Kirill Petrenko, fühle er sich einem besonders verbunden. Es ist der Wagner-Dirigent Hans von Bülow, der auch in Meiningen wirkte. Dort begann Petrenko einst seine Opernkarriere. Hans von Bülow, der erste große Philharmonikerchef kam 1887 nach Berlin, als das Orchester schon fünf Jahre existierte. Nach dessen Tod übernahm Arthur Nikisch 27 Jahre lang das Orchester. Sein Credo, jedes Orchestermitglied sei Künstler, trägt zum Selbstverständnis der Philharmoniker bei. Als Nikisch 1922 stirbt, wurde der junge Wilhelm Furtwängler sein Nachfolger. Er erweiterte das Repertoire um zeitgenössische Stücke. Er erhielt nach Ende des Zweiten Weltkriegs Dirigierverbot. Die Musiker trafen sich bereits am 13. Mai 1945 wieder und nahmen Kontakt zu Leo Borchard auf. Durch sein Engagement fand wenige Tage später das erste Nachkriegskonzert statt. Borchard war der Chef des Neuanfangs. Sein letztes Konzert dirigierte er am 20. August, kurz bevor er von einem amerikanischen Soldaten erschossen wurde. Auf ihn folgte der erst 33 Jahre alte Nachwuchsdirigent Sergiu Celibidache. Er hatte bei den Philharmonikern assistiert, er hielt die Oper für niederwertig und Schallplatten-Einspielungen für überflüssig. Nach der Entnazifizierung Furtwänglers wurde Celibidache von ihm abgelöst. Nach dem Tod von Furtwängler wird Herbert von Karajan künstlerischer Leiter auf Lebenszeit. Der „Klangmagier“ setzte Maßstäbe, doch wurde ihm vorgeworfen, ein begrenztes Repertoire zu dirigieren. Nach Konflikten verließ er im April 1989 die Philharmoniker. Claudio Abbado wird zum Nachfolger gewählt. Für seinen neuen Zeitgeist, die Verjüngung des Orchesters, wird er bis heute bewundert. Als Dirigent war er ein Feingeist, der jede seiner Spielzeiten einem übergreifenden Thema widmete. 2002 wird er von Simon Rattle abgelöst. Der Brite machte vor allem auch die Musik des 20. Jahrhunderts attraktiver.