Kultur

Engelhafte Träumerei im Zauberwald

Am Mittwochabend hat die britische Sängerin Birdy ihr drittes Album in Berlin vorgestellt

Birdy, das war einmal dieses junge, schüchterne Mädchen, das gefühlvolle Coverversionen sang und damit ihr erstes Album füllte. Noch immer ist sie jung, gerade mal 20 Jahre, doch tritt sie im Astra Kulturhaus bereits mit ihrem dritten Album auf. Auch die Schüchternheit ist geblieben: Oft ist „Thank you“ das einzige, was sie zwischen zwei Songs sagt. Über Applaus geht sie eilig hinweg, als sei er ihr unangenehm.

Doch ihre Stimme hat sich, seit sie mit 15 ihr erstes Album aufgenommen hat, merklich weiterentwickelt. Die Tiefen sind noch kräftiger, fast schon mystisch, womit sie nicht nur einmal an Lana del Rey erinnert. Die Höhen sind klarer, ihre Kopfstimme ist so zerbrechlich, dass man meint, sie könne in tausend Splitter zerbersten. Wenn sie Zeilen wie „So wherever you go, I’m your shadow“ singt, hat das etwas Engelhaftes. Sanft möchte man sich von den Harmonien des von ihr gespielten Flügels wiegen lassen. Dabei strahlt sie etwas unendlich Melancholisches, fast Trauriges aus.

Angenehm reduziert fällt dabei das Bühnenbild auf. Nur ein paar Stoffstreifen hängen von der Decke. In rotes Licht getaucht, erinnert das an die letzten Strahlen beim Sonnenuntergang, in blauem Licht meint man einen Zauberwald mit endlosen Bäumen zu sehen, in den sich Birdy perfekt einfügt. Mit „Winter“ fasst sie die vergangenen Jahre ausdrucksstark zusammen. Ruhig steht sie da, diesmal mit der Gitarre. Auf einmal kann man sich sehr gut vorstellen, wie sie vor fünf Jahren in ihrem Zimmer gesessen und gefühlvolle Cover aufgenommen hat. Bis dann ihre Band einsetzt, Violine, Bass, Gitarre, Drums – und der Song in einem schier unendlichen Finale anschwillt. Dabei überzeugt Birdy mit beeindruckendem Volumen, steht da in ihrem Glitzerkleid und wirkt auf einmal ganz erwachsen.

Den Namen Birdy bekam Jasmine van den Bogaerde bereits im Babyalter von ihren Eltern verliehen. Denn immer wieder riss sie ihren Mund beim Essen ganz weit auf, wie ein kleiner Vogel. Mit sieben beginnt sie mit Klavierstunden, ein Jahr später schreibt sie ihre ersten Songs. Auf Youtube veröffentlicht sie Cover, schon bald werden Produzenten auf sie aufmerksam: Rich Costey (Muse, TV On The Radio), James Ford (Arctic Monkeys, Klaxons) und Jim Abbiss (Adele) helfen dem Teenager in London und Los Angeles bei den Aufnahmen für „Birdy“, ihr erstes Album. Schon das zweite „Fire Within“ erreicht in Deutschland und der Schweiz Goldstatus.

Nur wenige ältere Songs runden die Show am Mittwochabend ab: Bon Ivers „Skinny Love“ natürlich, ihre erste und wohl bekannteste Single – manch einer denkt gar, die Nummer sei von ihr – , die vorwärtsdrängende Nummer „Words As Weapons“, „People help the People“ außerdem. Schon beim Klavierintro geht ein erkennbares Seufzen durch das Publikum, das in übersprudelnde Begeisterung mündet, als Birdy mit ihrem Support Lawrence Taylor „Let it all go“ als Zugabe singt. „I’ll be keeping your head up, Darling. Let go of all your haunted dreams tonight“: Euphorisiert, mit einer Einladung zum Träumen entlässt sie ihr Publikum in die Nacht.