Kultur

Passenger schlägt im Tempodrom neue Töne an

| Lesedauer: 2 Minuten
Verena Simon

Von Passenger alias Mike Rosenberg ist man einen leisen, langsamen Singer-Songwriter-Sound gewohnt. Einen, zu dem man sanft wippen und träumen kann. Ganz anders beginnt das Konzert am Dienstag im Tempodrom. Es ist das erste Mal, dass Passenger mit einer Band in Berlin auftritt. Ein geballter Beat wummert an die Decke, lebendig, mit frischem Wind performt Passenger vor allem sein neues Album „Young As the Morning Old As the Sea“, das vor zwei Wochen erschienen ist. Es ist bereits das siebte Album des 32-jährigen Briten.

„This is far too happy for a Passenger concert but I promise the misery is coming“, verkündet Rosenberg. Die Band verlässt die Bühne und da ist er wieder, Passenger, wie man ihn kennt: Nur er und seine Gitarre und diese unverkennbare Stimme. Er bettet die Töne so sanft, als wollte er ihnen Gute Nacht sagen. Auch wenn seine Stimme mit dem drängenden Beat mithalten kann, kommt sie doch erst in der Ruhe zur Geltung. Als er seine Hit-Single „Let Her Go“ spielt, die 2013 in mehreren Ländern Platz 1 der Charts erreichte, wird das Publikum von kollektiver Gänsehaut erfasst, was selbst Passenger verspürt, wie er sagt. Dabei sind die Themen seiner Songs nicht immer rosig: Er singt über einen Obdachlosen, der alles verliert, einen Mann, dessen Frau plötzlich stirbt, kurz bevor beide die Welt bereisen wollten. Seine Geschichten kommen von der Straße, dort, wo seine Musik ihren Ursprung hat. Jahrelang war Pas­senger als Straßenmusiker unterwegs.

Das Publikum hört aufmerksam zu, ergriffene Stille beim gelungenen Simon-&-Garfunkel-Cover „Sound Of Silence“. Passenger schafft eine Verbindung zu seinen Fans. Das Konzert endet in einer Dynamik, die man selten erlebt. Leichtfüßig tanzt man aus dem Konzert, für alles gewappnet, wie seine Zeilen „They say home is where the ­heart is, but my heart is wild and free“. Auf seine Frage „Are you with me?“ bleibt eine Antwort: Yes, we are.

( Verena Simon )