Kulturpolitik

Tim Renners kuriose SMS an die CDU

Berlins Kulturstaatssekretär bittet CDU-Politiker um einen Gefallen. Und verprellt damit vor den Koalitionsverhandlungen die Linke.

SMS für Dich: Berlins Kulturstaatssekretär Tim Renner

SMS für Dich: Berlins Kulturstaatssekretär Tim Renner

Foto: Reto Klar

SMS schreiben gehört längst zur Politik. Auch der Berliner Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) ist ein Freund moderner Medien und lässt die Öffentlichkeit über die sozialen Netzwerke an seiner Arbeit teilhaben. Die SMS, die er am Sonnabend verschickt hat, war vermutlich nur intern gedacht. Sie ist an Berliner CDU-Politiker gerichtet.

„Lieber Koalitionspartner, mit den Linken werde ich wenig zu lachen haben. Dass ich ihren Sockelheiligen F. Castorf nicht verlängert habe, werden die mir nie verzeihen. Der Zorn trifft aber auch Dercon, der in Zukunft die Volksbühne führen soll“, schreibt er da. „Ein wichtiger Teil seines Plans: Tempelhof bespielen, auch jenseits des Rosa-Luxemburg-Platzes mit der Volksbühne neue Zeichen setzen. Dafür hat er einen Lotto-Antrag (500.000,-) eingereicht, den ich Euch bitte zu unterstützen.“

Ein Prestigeprojekt könnte platzen

Für die Planung der neuen Volksbühne wurden die Gelder bereits bewilligt, noch nicht aber für die Bespielung des Tempelhofer Feldes. Die Pläne dafür will Chris Dercon demnächst vorstellen, sollten die Lottomittel dazu aber nicht fließen, könnte dieses sein erstes Prestigeprojekt platzen. Das würde den Gegnern Dercons in die Hände spielen.

Wo Renner schon dabei ist, bittet er gleich um noch etwas. „Super wäre auch Support bei Berliner Leben. Hier geht es um Residenzen für Street-Art-Künstler bei der Urban Nation. Grütters hat die mit Kaddatz auch schon besucht und war begeistert (885.000,-). Ich danke im Namen der neuen Volksbühne, der Bezirke Tempelhof und Schöneberg und im Namen der alten Koalition. Euer Tim.“

Erster Testfall für neue Machtverhältnisse

Diese Vorgehensweise ist zumindest ungewöhnlich. Dass die SMS nun an die Öffentlichkeit gelangt ist, kommt zur Unzeit für die Koalitionsverhandlungen. Sich an einen Noch-Partner zu wenden, ist umso seltsamer, da Michael Müllers SPD mit ziemlicher Sicherheit keine weitere Koalition mehr mit der CDU eingehen wird.

Renner – der im neuen Senat vermutlich nicht mehr dabei sein wird, da die Linke den Posten des Kultursenators für sich beanspruchen könnte – will wohl einer seiner mutigsten und meist kritisierten Personalien noch einmal Nachdruck verleihen. Die Entscheidung über die Bespielung des Tempelhofer Feldes könnte jedenfalls der erste Testfall sein, wie sich das kulturpolitische Mächteverhältnis in einer künftigen Koalition verschiebt.