Berliner Philharmonie

Manfred Honeck am Pult der Berliner Philharmoniker

Manfred Honeck und Noah Bendix-Balgley musizieren gemeinsam bei den Berliner Philharmonikern. Ein Treffen von guten Bekannten.

Erst im Mai war Manfred Honeck in der Philharmonie zu Gast gewesen – mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra, jenem Klangkörper, den der österreichische Dirigent seit 2008 hauptverantwortlich leitet. Damals überraschenderweise am Konzertmeisterpult: der Berliner Philharmoniker Noah Bendix-Balgley. Als ehemaliges Mitglied der Pittsburgher hatte er sich bei seinem jetzigen Arbeitgeber die Erlaubnis geholt, das Orchester auf Europa-Tour mitanzuführen.

Dass sich Honeck und Bendix-Balgley nun erneut Seite an Seite zeigen, diesmal bei den Berliner Philharmonikern, überrascht sehr viel weniger. Der 58-jährige Maestro ist mittlerweile ein guter Bekannter der Berliner Musiker.

Eine Widmung an Dvořák

Dvořák ist der Komponist, dem Honeck sich an diesem Abend hauptsächlich widmet. Zunächst erklingt Musik aus „Rusalka“, der bekanntesten Oper des Tschechen. Honeck hat diverse Abschnitte zu einer kurzweiligen „Fantasie“ zusammengestellt und neu orches­trieren lassen.

Hauptstück ist das berühmte „Lied an den Mond“ der Seejungfrau Rusalka, hier in einer Fassung mit Solo-Violine. Bendix-Balgley liefert eine gradlinige, extrovertierte Version der Arie – und passt damit sehr gut in Honecks musikalisches Grundkonzept. Ein Konzept, das mit seinen lärmenden Fortissimo-Tutti und forcierten Kantilenen zu einer gewissen Hemdsärmeligkeit tendiert.

Maximale Kontraste

Sehr direkt geht es auch in der 8. Sinfonie zu. Honeck setzt auf maximale Kontraste: Brachiale Tutti-Effekte stehen neben rekordverdächtig leisen Pianissimi, hyperexpressive Streicher treffen auf plötzlich höchst intime Holzbläser. Ein Gefühl von Geheimnis und Tiefgründigkeit kommt bei diesen dynamischen Wechselbädern nie auf.

Von einer vollkommen anderen, kuscheligeren Seite zeigen sich die Philharmoniker zuvor in Gegenwart des Weimarer Baritons Matthias Goerne. Orchestrierte Lieder von Schubert und Richard Strauss stehen im Dialog, es geht um Liebe und Tod und um die Wanderungen der Seele.

Weich und flächig breitet sich Goernes Stimme in der Philharmonie aus. Goerne braucht seine ganz eigenen, auffällig gedehnten Tempi, um sich nachhaltig entfalten zu können. Detaillierte Gestaltung und Textverständlichkeit zählen dabei nicht zu Goernes Stärken, wohl aber ein bewundernswertes Gespür fürs Atmosphärische.